Vom Charme der ­Dinge

João Maria Gusmão und Pedro Paiva im K­ölnischen Kunstverein

 

Mancher Besucher wird seinen Ritus der Ausstellungsbegehung derzeit im Kinosaal des Kölnischen Kunstvereins wiederfinden: In einem nicht ganz zweiminütigen Film spaziert eine Hand auf Zeige- und Mittelfinger mit kaschiertem Arm nebst kleinem Finger über eine Tischplatte. Sie bewegt sich vorbei an einer Präsentation abstrakter Gipsskulpturen, mustert diese zunächst neugierig, dann etwas unsicher, rückwärts gehend, Ringfinger und Daumen im Handrücken verschränkt, um dann, eine menschengroße Fußskulptur links liegen lassend, mit Schwung von der Tischkante zu springen.

 

Die Werke von João Maria Gusmão und Pedro Paiva sind ein Sprung in eine Welt der alltäglichen Poesie. In ihren 16 und 35mm Filmen ohne Ton wird durch Illusion und Täuschung unser Verstand immer wieder herausgefordert, hier sind die Dinge beseelt, übt Profanes eine hypnotisierende Wirkung aus. Solche Effekte schaffen sie mit charmant bescheidenen und teils aus der Zeit gefallenen Mitteln: Einem Dinosaurierskelett wächst mittels stop-motion ein Geweih, ein Mann der sich aus dem Winkel der Kameralinse zu bewegen droht, wird durch langsames Herauszoomen immer wieder zurück ins Blickfeld gebracht. In den letzten zwei Jahren kamen zu den Filmarbeiten auch ebenso humorvolle Fotos und Bronzearbeiten hinzu, die zum Teil die Ideen der flüchtigen Filmbilder aufnehmen oder neue absurde Wesen und Situationen schaffen. 

 

Mit der Einladung des portugiesischenDuos zeigt sich der Kunstverein erneut fokussiert auf international durchstartende Künstler. So tourten die Arbeiten der beiden bereits durch die großen Ausstellungshäuser, etwa in San Francisco, London und zur Biennale Venedig. Nach Köln macht die mit mehr als sechzig, darunter zahlreichen neuen und eigens produzierten Werken bestückte Schau unter anderem auch Station in Berlin.

 

Wer die Filme des Duos schon in anderen Ausstellungssituationen gesehen hat, der wird zwar in Köln, angesichts der Fülle der Arbeiten, eine Atmosphäre vermissen, die Raum lässt für Zauber und Mystik. Er kann aber sicher sein, dass dies ihre derzeit umfangreichste Präsentation ist. Ein Sprung, der sich lohnt!