Die Obdachlosen von Sülz

Das Performanceduo »katze und krieg« begibt sich für zwei Wochen auf die Straßen von Sülz

Aufgepasst, bleichgesichtiger Leser, »katze und krieg« ziehen wieder durch die Straßen. Zwei Wochen lang residieren die beiden Performerinnen auf den Straßen des Sülz — mit nichts als Beton unter den Füßen und dem weiten Himmel über dem Kopf. Einzige Bedingung: Die heimeligen Wohnungen dürfen in dieser Zeit nicht betreten werden. Stattdessen schultern sich die wagemutigen Expediteurinnen Julia Dick und katharinajej ihre Sieben Sachen in einem kleinen Rucksack — und üben sich in urbanen Survival-Strategien.

 

Begleitet werden sie vom Künstlerduo »we are visuals« alias Felix Jung und Marc Einsiedel, die für das Unterfangen aus Hamburg eingeschifft werden. Einsiedel und Jung arbeiten im öffentlichen Raum mit Täuschung. Sie ziehen sich zum Beispiel knallorangene Arbeitswesten an, mauern Werbeaufsteller zu und bleiben meist unbemerkt. Ihre witzigen Eingriffe in den öffentlichen Raum sind  politische Statements. Furchtlos werden die beiden street artists nun mit »katze und krieg« öffentliche Zahnputzstationen eröffnen und zu Obdachlosen im sonst so gutbürgerlichen Sülz mutieren. 

 

Klingt nach skurriler Sozialstudie? Vielleicht. »katze und krieg« pflegen mit ihren Performances einen Hang zu kluger Satire. Erst im vergangen Jahr eröffneten sie mitten auf der Hohen Straße einen Utopie-Laden, in dem passend zum konsumfixierten Umfeld der Straße die totale Befriedigung geshoppt werden konnte: von Deep Love bis Flying High für mehr Freiheitsgefühl. Einige Wochen später ließen sie dann die lärmende Stadt mit all ihren Sehnsüchten hinter sich und tauchten als Rotkäppchen und Stöckchenwerfer im tiefdunklen Nadelwald im Aggertal unter. Für ihre Performance »Im Wald« wurde »katze und krieg« mit dem Kölner Theaterpreis ausgezeichnet.

 

Wo genau die Künstlergruppe ihre neuesten Entdeckungen der Öffentlichkeit preisgeben wird, ist noch nicht bekannt. Erst bei der Kartenreservierung werden die Treffpunkte verraten. Wir können es kaum erwarten.

 

»Auf der Straße«, A+R: katze und krieg, 19.–21.8., 18 Uhr