Die Mülheimer Brücke ist zum Sinnbild der maroden Infrastruktur Kölns geworden — ein siecher Gigant, den man seit nunmehr acht Jahren versucht, am Leben zu halten. 1929 von OB Konrad Adenauer eingeweiht, wurde die Brücke nach Kriegszerstörungen 1949 neu errichtet — nach Plänen von Wilhelm Riphahn, Kölns Vorzeigearchitekten, der unter anderen auch die Oper entwarf.
Seit gut acht Jahren wird an der Mülheimer Brücke gearbeitet. Vor zehn Jahren ging man von Kosten in Höhe von rund 116 Mio. Euro und einer Dauer von vier Jahren aus. Nun ist man bei rund 500 Mio. Euro angekommen — und es wird teurer, je länger es dauert. 2030 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein.
Doch auch die anderen Brücken sind in schlechtem Zustand. »Wir haben bei Instandsetzung und Sanierung sicher zu lange gewartet«, sagt OB Torsten Burmester (SPD), als er im April mit Verkehrsdezernent Ascan Egerer und Sonja Rode, Leiterin des Brückenamtes, das weitere Vorgehen skizziert. Nach der Mülheimer Brücke geht es 2030 bis 2035 mit der Severinsbrücke weiter, es folgt die Deutzer Brücke zwischen 2026 und 2040 und danach die Zoobrücke. Doch Egerer und Rode sagen auch, dass es noch genauere Untersuchungen geben müsse — und dass man das besser bei der Mülheimer Brücke auch getan hätte.
Was aber, wenn auch die derzeitigen Prognosen nicht mehr plausibel sind? Burmester sagt, dass die Brücken mit Ausnahme der Zoobrücke zwar unter Denkmalschutz ständen und »durchaus das Stadtbild von Köln prägen«, aber bei der Sanierung auch zu berücksichtigen sei: »Haben wir alle Daten zur Verfügung? Können wir sicher sein bei einer Sanierung, dass alles auch so eintritt?« Burmesters Fazit: »Das ist ein Abwägungsprozess. Wir müssen uns da alle Wege offenhalten.« Das kann man durchaus so verstehen, dass auch ein Abriss und Neubau erwägt werden kann, um billiger und schneller zu sein.
»Bedauerlicherweise erwecken die Äußerungen den unzutreffenden Eindruck, der Denkmalstatus der Kölner Brücken stünde zukunftsfähigen Lösungen von vornherein im Wege«, heißt es dazu beim Amt für Denkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland. »Und dies, bevor der vom Oberbürgermeister gewünschte sorgfältige Untersuchungs- und Erörterungsprozess überhaupt begonnen hat.« Allerdings habe die Stadt schon »in der Vergangenheit neue Ansätze gefunden, herausragende Ingenieurbauten wie die Deutzer oder die Rodenkirchener Brücke durch Instandsetzung, Lastreduktion und Verbreiterung denkmalverträglich an gestiegene Verkehrsaufkommen anzupassen.« Beim Amt wünscht man sich, dass das weiterhin geschieht. Ob das mit den Zeit- und Kostenplänen zu machen ist, steht auf einem anderen Blatt.






