Ja, Wahnsinn! Dass die Stadt uns dieses Flashback beschert! Da landete doch im März eine Pressemitteilung der Stadt Köln im Postfach, die verkündete: »Ehrenfelder Clubkultur erhalten: Flächennutzungsplan soll kulturelle Vielfalt sichern«. Prompt fühlte man sich ins Jahr 2017 zurückversetzt, als um die Ehrenfelder Clubkultur gebangt werden musste: Das Underground wurde abgerissen, das Heinz Gaul sollte folgen, die Zukunft von Artheater, Bumann & Sohn und sogar der Live Music Hall galt als unsicher.
So ist es nicht gekommen, im Gegenteil: 2024 eröffnete das Fi, im vergangenen Jahr die Garagen. Die c/o pop veranstaltet ihr Straßen- und Clubfest weiter in Ehrenfeld, der Stadtteil ist einer der Hotspots der Cologne Jazzweek. Ehrenfeld ist Partyzone, die für manche schon mit Einstieg in die Linien 3 und 4 Richtung Venloer Straße beginnt.
Dass die Stadt die hiesige Clubkultur erhalten will — 2026, nicht 2017 —, ist eigenartig. Man stelle sich vor, der Bundeskanzler verkündete, er halte Demokratie immer noch für ganz okay. Stand sie je zur Disposition? Offensichtlich. So auch die Ankündigung der Stadt: Wieso muss die Stadt sich zu etwas bekennen, was seit Jahren wie geschmiert läuft? Weil die Clubkultur ein Ende hätte, wenn die Clubs zwischen Subbelrather und Vogelsanger Straße demnächst in reinen Wohngebieten lägen. Der Druck aus Bau- und Immobilienbranche, dieses Areal für hochpreisige Eigentumswohnungen zu erschließen, ist hoch. Also definiert die Stadt den Flächennutzungsplan so, dass die Clubs künftig in »Mischgebieten« stehen. Die Lärmschutzwerte sind dort strenger als in Gewerbegebieten, andererseits ist die Nachbarschaft von Vergnügungsgewerbe und Wohnungen durchaus gewünscht.
Stoppt der Kompromiss die Dynamik der hochpreisigen Bebauung? Wohl kaum, wenn man bedenkt, dass diese Town-house-Quartiere in den bislang abgelegensten Gegenden des Veedels hochgezogen werden. Es geht aber um mehr. Wieso muss sich die Clubkultur dermaßen in Ehrenfeld massieren? Wo bleibt die politische Phantasie, Clubs in Vingst oder Ostheim zu entwickeln und zu fördern? »Ehrenfelder Clubkultur erhalten« heißt eben auch: Woanders wollen wir sie nicht.






