Zwischen Schaufenstern und Beton

Der Jugendklub POLYLUX inszeniert »Downtown Paradise« als kritischen Stadtspaziergang

Mehrere Tausend Meter Laufstrecke, hunderte Stufen, die (wahlweise per Aufzug) in oberste Etagen führen, 21 Darsteller:innen, 6 Stationen — 1 Stadt: Das neue Stück »Downtown Paradise« des Jugendklub POLYLUX am Schauspiel Köln setzt auf Höhe, Tiefe und Weite. Die Inszenierung unter der Regie von Judith Niggehoff schickt ein Laien-Ensemble mitsamt seinem Publikum zur Stadterkundung über die Straßen, durch die Shopping-Malls und in die Häuser der Metropole.

Auf dem Trip durch das Neumarktviertel offenbaren sich Highlights und Abgründe einer City zwischen Schein und Sein. Der Mythos eines Ortes, der mit Attributen geschmückt ist wie ein immerwährender Maibaum, gerät dabei heftig ins Schwanken. Das POLYLUX-Kollektiv offenbart auf seinem Erkundungsgang zwar reichlich Raum für Identifikation und Geborgenheit, jedoch ebenso für Skepsis und Angst in einer befremdlichen Welt.

Tanzend, flanierend, reflektierend und debattierend ziehen die jungen Darsteller:innen mit ihrem Trott entlang der Glockengasse Richtung Schildergasse in eine exquisite Kletterhalle, fühlen sich im hochgelegenen Café bei Panorama-Ausblick himmlisch und werden doch an die Menschen unter ihnen erinnert, die den Boden der Tatsachen Nacht für Nacht auf dem Stein ihrer Platte spüren. Könnte solch ein riesiges Gebäude nicht auch Unterkünfte für Obdachlose bieten?

Der Blick auf die Nöte innerhalb der Stadtgesellschaft wird geschärft auf dem Gang ins Käthe Kollwitz-Museum. Neben den packenden Bildnissen, die von sozialen Missständen der Vergangenheit zeugen, erwartet die Besucher:innen im Saal eine wütende Performance der weiblichen Protagonistinnen, die der Metropole eine toxische Männlichkeit attestieren: Verbale und körperliche Übergriffe werden als alltägliche Begebenheiten geschildert.

In diesem »Hier« entsteht der Wunsch, die Einwohner:innen in ihrer Penetranz lediglich als Nebengeräusche wahrzunehmen. Die zwischen chorischer Darstellung und inneren Monologen pendelnde Produktion (ent)führt nicht nur seine angemeldeten Gäste in eine Parallelwelt der Stadt; auch viele Passant:innen werden aufmerksam. Natürliche Neugierde und der selbstbewusste Auftritt des Teams prägen ein besonderes Projekt, bei dem die Realität zur Bühne eines Dramas fernab des Paradieses wird.

Schauspiel Köln, Treffpunkt: Glockengasse
7. & 20.5., 18 Uhr

Mach mit: Gemeinsam sichern wir unabhängigen Journalismus für Köln!
→ Ja, ich abonniere die Stadtrevue!
→ Ja, ich erwerbe einen Anteil der Stadtrevue-Genossenschaft!


Tagnacht – Kölns Gastro-Guide. Essen, Trinken, Ausgehen in Köln: alle Küchen, alle Veedel! Hol dir ein Abo und erhalte als Prämie die tagnacht 2025/26 gratis dazu. 

Stadtrevue abonnieren →

Alle Prämien ansehen →

Unsere Magazine

tagnacht – Kölns Gastro-Guide: Essen, Trinken, Ein­kaufen, alle Küchen, alle Veedel, die besten Adressen der Stadt. 
ansehen / bestellen →


Raum 5 – Der Design Guide für Köln/Bonn: Neues und Schönes, Porträts und Tipps sowie 300 Design-Adressen. 
ansehen / bestellen →


alma — Das Kölnmagazin für Studis: Alles, was wichtig ist für den Durch­blick an der Uni und das Leben in der Stadt.
ansehen / bestellen →


kurzundklein – Ein ganzes Jahr Köln mit Kindern: Akti­vi­täten und Aus­flüge, Familien­politik, Stadt­leben, Adressen. 
ansehen / bestellen →


weiter! — Aus- und Weiter­bil­dung in Köln und der Region: Der Pocket-Guide mit rund 200 Adressen und vielen nütz­lichen Infos.
ansehen / bestellen →