Das Dach wird abgetragen, da liegt die Ehe schon in Trümmern. Anna, Künstlerin und Mutter von drei Kindern, lebt weiter auf dem Hof in der isländischen Weite. Magnús, Fischer auf einem Heringskutter, kommt nach Wochen auf See immer wieder zurück: zum Essen, zu den Kindern, manchmal in Annas Bett, vor allem aber in eine Familie, die sich ohne ihn bereits neu sortiert.
Hlynur Pálmason erzählt seinen Trennungsfilm »The Love That Remains« in Splittern: Mahlzeiten, Ausflüge, Arbeit im Freien, ein schwedischer Galerist kommt vorbei, Kinder mit Pfeil und Bogen, der Hund Panda als unbestechlicher Stimmungsmesser. Die Trennung wird kaum erklärt, sie ist einfach da, wie das Wetter. Der Film interessiert sich weniger für Schuld als für das Danach. Was bleibt von einer Liebe, wenn der Alltag sie überlebt hat? Ein Blick, ein alter Witz, eine Handbewegung, die Vertrautheit signalisiert und ins Leere greift.
Visuell ist das grandios. Pálmason filmte selbst, im fast quadratischen Akademieformat und auf 35mm, mit einem präzisen Blick für zwischenmenschliche Schwingungen. Die Landschaft wirkt dabei als seelischer Resonanzkörper: Eis, Gras, Meer und Himmel nehmen die Erschöpfung dieser Familie auf. Annas rostige Metallarbeiten, draußen den Elementen überlassen, sind das schönste Motiv des Films: Kunst als kontrollierter Verfall.
Dazu kommt ein frecher Humor. Pálmason lässt den Realismus aus der Spur laufen, die Einfälle sind komisch und schräg, wenn auch manchmal etwas sehr ausgestellt. Am berührendsten ist der Film, wenn er den Zauber im Gewöhnlichen findet: im Abwasch, im müden Fernsehen, in der peinlichen Zärtlichkeit zweier Menschen, die einander kennen, aber nicht mehr miteinander können. Saga Garðarsdóttir spielt Anna zwischen trockenem Furor und Müdigkeit. Sverrir Guðnason gibt Magnús als Mann, der seine Vergangenheit nicht ganz hinter sich lassen kann. Die Kinder, Pálmasons eigene, bringen eine raue, ungekünstelte Gegenwart hinein.
Schäferhund Panda stiehlt nebenbei jede Szene (dafür gab es in Cannes 2025 den Palm Dog Award).
Die Mischung aus Familienbeobachtung, spröder Komik und eigenwilliger Form bleibt lange haften. Ein zärtlicher, gelegentlich störrischer Film über die Liebe nach der Liebe.







