Noch praller als im Mai geht es in diesem Monat weiter. Endlich ist des Füllhorns Ausschüttung nicht mehr zu bewältigen — so gehört sich das eigentlich für eine Stadt wie Köln. Noch einmal zu den Kölner Kino Nächten (siehe auch S. 53), mit Fixierung auf die Bonner Republik: Da wird unter anderem des jüngst verstorbenen Alexander Kluge mit seinem ersten Langwerk (»Abschied von gestern«, 1966) und seinem letzten (»Primitive Diversity«, 2025) gedacht. Außerdem darf man sich in Peter Przygoddas »CAN Free Concert« (1972) noch einmal daran erinnern, wie unpackbar brillant die Band war. Und man kann in »Dead Pigeon on Beethoven Street« (1972), der US-Kinofassung des 25. »Tatort«, uns hillig Kölle als Fastlovend-Pop-Pulp-Vanitas mit den Augen des ewigen Rebellen Sam Fuller bestaunen.
In Kalk erfreuen die Lichtspiele mit einer Schau von sowjet-estnischen Meisterwerken, das reicht von Arvo Kruusements Perle des grimmigen Realismus’ »A Woman Heats the Sauna« (1978) über Peeter Simms an Tarkowski geschultem »The Ideal Landscape« (1981) bis hin zu Grigori Kromanovs kongenialer Adaption eines Romans der Strugazki-Brüder »Hotel ›Zum verunglückten Alpinisten‹« (1979).
Zurück auf der anderen Rheinseite finden sich unter den Hommagen an den vor einem Jahr verstorbenen langjährigen Filmclub-813-Leiter Bernhard Marsch Filme eines weiteren kürzlich und weit vor seiner Zeit verschiedenen Filmemachers: Michel Freerix, dessen Abschlussfilm »Chronik des Regens« (1992) zu den unbekannten Meisterwerken der Berliner Schule gehört — so erregt und erregend, so gefühlt spontan, so neugierig wie lebensklug ging es bei den Berlinern nie wieder zu. Neben diesem Leuchtfeuerfilm sind auch kurze, stets gestandene Versuche aus seinem Studium zu sehen, darunter »Die Farbe des Frühlings« (1985), sowie Werke ihm (wie auch Marsch) naher Aufbrecher wie José van der Schoot (»Gute Referenzen«, 1994), Matl Findel (»Im Regen [tant pis]«, 1994) und Christoph Willems (»Das Frühstück«, 1987). Alle drei haben sich für einen Besuch angesagt.
Und schließlich: Zur Tatsuya-Nakadai-Retrospektive des Japanischen Kulturinstituts mehr im Juli. Es ist die letzte Schau des Hauses, die von der scheidenden Geschäftsführerin Mika Kondo mitgestaltet wurde.







