Über Paraguay ist hier wenig bekannt, außer vielleicht, dass das Land nach dem Zweiten Weltkrieg ein sicherer Hafen für deutsche Nazis war. Josef Mengele etwa lebte dort in den späten 50er Jahren, als der deutschstämmige Militärdiktator Alfredo Stroessner an der Macht war. Zu dieser Zeit spielt Marcelo Martinessis »Narciso«, der dieses Jahr das Festival Kino Latino eröffnet. Die Koproduktion, an der die Kölner Pandora Film beteiligt war, erzählt die Geschichte des jungen, hübschen Narciso, der es schafft, bei einer altbackenen Radiostation in der Hauptstadt Asunción Rock’n’Roll-Songs in die Playlist zu schmuggeln. Der Erfolg ist überwältigend, Narciso wird zum Star. Aber das ruft auch die Staatsmacht auf den Plan. Der Film verlässt kaum die Räume des Senders und doch gelingt Martinessi (»Die Erbinnen«), zugleich die Aufbruchstimmung der Jugend als auch die bleierne Atmosphäre im Land fühlbar zu machen.
An die Grenze zwischen Paraguay und Argentinien führt der Dokumentarfilm »The Prince of Nanawa«. Eigentlich wollte Regisseurin Clarisa Navas dort einen TV-Bericht über die Diskriminierung der indigenen Guaraní drehen, aber dann traf sie auf den neunjährigen Ángel, der darauf bestand, interviewt zu werden. In den folgenden zehn Jahren besuchten die Filmemacherin und ihr Team Ángel immer wieder– und gaben ihm auch eine Kamera, um sein eigenes Leben zu filmen. Aus dem aufgeweckten Jungen entwickelt sich ein Mann, der früh Vater wird und plötzlich eine Menge Verantwortung schultern muss. Entstanden ist aus dem Material ein mehr als dreieinhalb Stunden langer Film, der völlig zurecht beim renommierten Dokumentarfilmfestival Visions du Réel in Nyon im vergangenen Jahr den Hauptpreis gewonnen hat.
Die Perspektive eines Kindes nimmt auch der mexikanische Spielfilm »Moscas« ein, der dieses Jahr im Wettbewerb der Berlinale seine Premiere feierte. Fernando Eimbcke erzählt darin vom achtjährigen Cristian, der mit seinem Vater nach Mexico City reist, um seine schwerkranke Mutter im Krankenhaus zu besuchen. Sie finden Unterschlupf bei der mürrischen Olga. Als Cristians Vater zurück in die Heimat muss, ist der Junge auf sich gestellt in der großen Stadt. Eimbcke erzählt die Geschichte überraschenderweise nicht als Tragödie, sondern mit einem wunderbar trockenen Sinn für Humor, der bisweilen an Jim Jarmusch erinnert.
Fr 12.6.– Mi 17.6., Filmhaus. Infos: filmhaus-koeln.de






