Videoabend auf großer Leinwand

In Köln gibt es zwei neue Filmclubs, sie präsentieren Filme bei den Kölner Kino Nächten

Mit dem Filmclub 813 gab es in Köln über Jahrzehnte nur eine Gruppe in der Stadt, die in der Tradition von Filmclubs regelmäßig ein historisches Programm spielt, und das fast ausschließlich auf analogem Filmmaterial. Inzwischen gibt es mit dem Cologne Film Club und Heimkino Nachwuchs, der die Tradition etwas freier auslegt und niederschwelliger eine jüngere Zielgruppe anspricht. Beide sind aus einem gemütlichen Videoabend mit Freunden auf dem Sofa entstanden. Heimkino trägt zwar seinen Ursprung noch im Namen, nach einem Jahr mit Beamer im Wohnzimmer werden die Filme aber seit Anfang 2024 jeden Mittwoch im Cinenova auf der großen Leinwand gezeigt, immer im Original mit Untertiteln. Filmeinführungen sind fester Programmpunkt der Veranstaltungen mit monatlich wechselnden Themen.

»Unser Anspruch ist es, einen guten Mix aus Mainstream als Türöffner und selten gezeigten Nischenfilmen zu bieten. Wir wollen außerdem nicht nur US-Kino zeigen und finden es auch schön, wenn mal ein älterer Film im Programm ist«, so Gianluca Pistoia von Heimkino. »Fritz Langs ›Metropolis‹ hat die Erwartungen an Publikumszuspruch weit übertroffen, nachdem Kubricks ›2001‹ zum Thema Zukunftsvisionen im Film die Neugierde beim Publikum geweckt hatte«, sagt Julian Heßler. Dass das Angebot von Heimkino, zu dessen Team auch Leon Schumacher, Laura Sternberg, Luca Liffers und Rami Eiserfey zählen, so gut angenommen wird, überrascht Pistoia nicht: »Wir kennen uns mit Marketing aus und wissen, dass unsere Generation — also Gen Z und Gen Y — auf jeden Fall Lust hat, wieder ins Kino zu gehen und dort auch mal einen Klassiker zu sehen.«

Um mit­zud­iskutieren, muss man nicht Film­wissen­schaften studiert habenRaphael Semmet, Cologne Film Club

Ähnliche Erfahrungen haben Alex Griffith und Raphael Semmet vom Cologne Film Club gemacht. Auch die Entstehungs­geschichte ihres Clubs ist vergleichbar: gemein­sam zuhause Filme schauen, weil die Kinos während der Pandemie geschlossen waren, und danach wieder ins Kino gehen — aber mit einem selbst ausgewählten Film­programm. Seit Jahres­beginn gastiert der Cologne Film Club einmal im Monat bei den Licht­spielen Kalk, aber bereits seit Herbst 2022 ist das Studio Argento im Hinterzimmer der Traumathek das Stammkino. Dort ist es ähnlich gemütlich wie im eigenen Wohnzimmer. Vor dem Film gibt es eine Einführung, nach dem Film wird gemein­sam diskutiert. »Um mit­zu­diskutieren muss man aber nicht Film­wissen­schaften studiert haben«, sagt Semmet. »Wir schauen gemeinsam Filme, der soziale Aspekt ist aber das Highlight unseres Clubs«, erklärt Alex Griffith. Semmet ergänzt: »Wir reden über die Filme, aber unser Film­club bringt auch die Mitglieder zusammen. Einige haben uns schon rückgemeldet, dass wir ihre erste Anlauf­stelle in Köln waren, wo sie dann auch Freund­schaften geschlossen haben«.

Für den Kanadier Griffith war das seinerzeit mit ein Grund für die Initiierung des Filmclubs. Die Veranstaltungen finden auf Englisch statt, die Filme laufen generell im Original mit englischen Untertiteln. Damit trägt man dem inter­nationalen Publikum Rechnung. Das Programm reicht »von Trash bis Filmkunst, vom US-Block­buster bis zur asiatischen ­Indie-Perle«, so Semmet, Klassiker von Bergman und Fassbinder oder ein alter Godzilla-Film standen auch schon auf dem Programm. Auch umstrittene Filme werden gezeigt und dann ausgiebig diskutiert. Anders als in einem gewerblichen Kino, wo direkt der nächste Film im Saal programmiert ist, können die Diskussionen im Studio Argento schon mal so lange dauern wie der Film selbst.


18. Kölner Kino Nächte

Ein dicht gepacktes Filmprogramm an vier Tagen, zusammen­gestellt von Kölner Kinos, Film­festivals, Filmclubs und andere Initiativen und Vereinen zu einem fairen Preis — das ist das Konzept der Kölner Kino Nächte. Eine inhaltliche Linie gibt es nicht, alle Institutionen sind frei in der Filma­uswahl. Heim­kino zeigt mit »Shaolin Soccer« eine Action­komödie aus dem Jahr 2001, die auch ein Publikum jenseits der Asien­kino-Gemeinde begeistern dürfte. Der Film Club Cologne präsentiert mit »Local Legends« (2013) einen auto­bio­grafischen DIY-Film des Musikers und Comedian Matt Farley. Die Stadtrevue ist wie im letzten Jahr auch mit einem Film im Programm: Der oscar­nominierte und inter­national viel­fach prämierte Dokumentarfilm »Cutting Through Rocks« begleitet die 37-jährige Iranerin Sara Shahverdi, die bei einer Lokal­wahl in ihrem Dorf einen Sieg errungen hat — und selbst­bewusst ihren Weg geht. 

Do 28.5.–So 31.5., div. Orte
koelner-kino-naechte.de

Mach mit: Gemeinsam sichern wir unabhängigen Journalismus für Köln!
→ Ja, ich abonniere die Stadtrevue!
→ Ja, ich erwerbe einen Anteil der Stadtrevue-Genossenschaft!


Tagnacht – Kölns Gastro-Guide. Essen, Trinken, Ausgehen in Köln: alle Küchen, alle Veedel! Hol dir ein Abo und erhalte als Prämie die tagnacht 2025/26 gratis dazu. 

Stadtrevue abonnieren →

Alle Prämien ansehen →

Unsere Magazine

tagnacht – Kölns Gastro-Guide: Essen, Trinken, Ein­kaufen, alle Küchen, alle Veedel, die besten Adressen der Stadt. 
ansehen / bestellen →


Raum 5 – Der Design Guide für Köln/Bonn: Neues und Schönes, Porträts und Tipps sowie 300 Design-Adressen. 
ansehen / bestellen →


alma — Das Kölnmagazin für Studis: Alles, was wichtig ist für den Durch­blick an der Uni und das Leben in der Stadt.
ansehen / bestellen →


kurzundklein – Ein ganzes Jahr Köln mit Kindern: Akti­vi­täten und Aus­flüge, Familien­politik, Stadt­leben, Adressen. 
ansehen / bestellen →


weiter! — Aus- und Weiter­bil­dung in Köln und der Region: Der Pocket-Guide mit rund 200 Adressen und vielen nütz­lichen Infos.
ansehen / bestellen →