In den 1980ern werden die sozialen und politischen Kämpfe nicht weniger, aber diverser, spezifischer, selbstbezüglicher. Vielleicht auch »kleiner«: in dem Sinne, dass es nicht mehr so vollmundig um den schon bald anstehenden großen Umbruch hin zum Sozialismus geht, sondern dass immer mehr und vor allem neue Akteur*innen für ihr Anliegen, ihre Rechte und gegen ihre Diskriminierung aufstehen.
In den 80er-Jahrgängen der Stadtrevue geht es also um Hausbesetzer und die Gründung einer Frauenredaktion, es geht gegen Aids-Hysterie und Aufrüstung, die Alternativkultur in ihren Nischen wird gegen den Repräsentationsbau von Philharmonie und Museum Ludwig (1986) verteidigt. Und immer wieder werden unsere verlagsinternen Zerwürfnisse als öffentliche Angelegenheit der Kölner Alternativ-Szenen verhandelt.
Das Reprint dieser Ausgabe stammt von »alki«, Albrecht Kieser, der später auch als Redakteur der Stadtrevue gearbeitet hat. Kieser hatte die unhaltbaren Zustände in einem — man muss es so drastisch sagen — »Roma-Lager« im Köln-Ossendorfer Niemandsland recherchiert und dabei den Rassismus in Stadtgesellschaft, Kommunalpolitik und Verwaltung bloß gestellt. Das Lager gibt es schon lange nicht mehr, Rassismus und Hass auf Marginalisierte haben nie aufgehört. So gesehen ist dieser Text nicht nur ein Zeitdokument, sondern steht für die Kontinuität von Ausgrenzung — und Widerstand.
Am 9. November 1988 findet in der Kölner Oper eine Gedenkfeier aus Anlass des 50 Jahrestag der Reichspogromnacht statt. Die Veranstaltung wird durch Roma und ihre Unterstützer*innen gestört. Die Kontroverse über diese Aktion wird in den folgenden Monaten in der Stadtrevue ausgetragen. Alice Schwarzer schreibt betroffen: »Die Störung dieser jüdischen Feier zum 9. November 1938 war eine der beschämendsten Aktionen, die ich je erlebt habe.« Der Aktivist Kurt Holl (Lehrer, Marxist, Antifaschist, 2015 verstorben) antwortet: »Gestört wurde am 9. November. Aber gestört wurde das perfide Einverständnis weiter Kreise der links-alternativen Szene, die sich angesichts einer zerlumpten, nicht integrierbaren, frechen, fordernden Minderheit [poelmische Anspielung auf das öffentliche Gerücht über die Roma, Anm. FK] allemal lieber im großen Wir-Gefühl mit jener Gesamtgesellschaft und jener Prominenz wiederfinden wollen, die
den 9. November für ihre Zwecke der ›Vergangenheitsbewältigung‹ usurpieren will.«














