Auf dem Sterbebett kommt Promi-Besuch: Jan Böhmermann und Christian Ehring erklären, warum der WDR oder gar die ARD Cosmo nicht abschalten dürfen. Dahinter steckt die Idee, dass es über dem Kontroll-Gremium — also dem Rundfunkrat, der mit 25 Ja- zu 20 Nein-Stimmen das Ende von Cosmo besiegelte — einen höheren Chef geben müsste, der ein Machtwort spricht. »Cosmo bleibt!« Nett gemeint, danke. Ihr arbeitet selber fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen: Nur »das Erste« untersteht der ARD. Die Radiowellen sind ihrem Sender unterstellt. Kein ARD-Babo, sorry.
Das mehrsprachige Multikulti-Radio Funkhaus Europa, später Cosmo, hätte es gar nicht geben dürfen! Dass sich tagsüber drei Sender zusammenschalten und in NRW, Bremen und Berlin/Brandenburg hörbar sind, war 1998 bei der Gründung so unglaublich wie der Claim: grenzenlos! Gerade erst waren die Schlagbäume offen, freie Fahrt ans Mittelmeer. Ja, wir waren nicht nur Ausländerkinder, sondern echte Europafans. Die ersten Euro-Münzen-Sets haben wir live im Studio ausgepackt. Vielfalt war Standard. Dass unser Programm nicht viel Aufmerksamkeit bekam, war gewünscht. Keine Werbung, keine Konkurrenz. Eher ein Geheimtipp für Leute, die bessere Musik hören wollten als Charthits. Die selber im Ausland gelebt oder sich in Menschen mit Migrationsgeschichte verliebt hatten.
Die Petition haben 100.000 Menschen unterzeichnet. Hätten sie alle mal öfter eingeschaltet
Die Petition #savecosmoradio haben mehr als 100.000 Menschen unterzeichnet. Hätten sie alle mal öfter eingeschaltet. Protestiert, als aus einem Mittagsmagazin »no comment« wurde, die Musikstrecke, bei der zwei Stunden keiner spricht. Sparmaßnahme, klar. Als aus Worldmusic »global sounds« wurden. Weiterentwicklung, klar. Meine Aufgabe als Moderatorin war es, Menschen zum Anrufen zu motivieren. Nicht, um eine Tasse zu gewinnen! Meinung war gefragt: Kindergarten kostenlos? In Deutschland wählen dürfen ohne deutschen Pass? Bei Cosmo hat erst der Arbeiter auf dem Kehrmobil (»Moment, muss Maschine abstellen!«) und dann der BWL-Dozent angerufen — beide türkischer Herkunft. Im Haupt-programm kommen beide bis heute nicht vor. Wenn ein Experte interviewt werden soll, entscheiden Redaktionen sich lieber für Herrn Dr. Müller als für Frau Dr. Öztürk. Der Rundfunkrat glaubt, dass sich die Vielfalt, die Cosmo abgebildet hat, in den Hauptprogrammen niederschlägt. Aber in 28 Jahren haben die anderen Wellen nichts von Cosmo gelernt.
Diana Zulfoghari ist freie Journalistin und gehörte zum Gründungsteam von »Funkhaus Europa«, heute Cosmoradio. Sie hat dort 12 Jahre im deutschsprachigen Programm moderiert.






