Auseinandersetzung mit deutscher Kolonialgeschichte: »Das leere Grab«

Chancen für eine bessere Welt

Das Kinder- und Jugendprogramm des Internationalen Frauen Film Festival Dortmund + Köln

Das Internationale Frauen Film Fest Dortmund + Köln findet dieses Jahr turnusgemäß in Dortmund statt. Aufgrund der Kürzungen im Kulturetat der Stadt Köln wird — anders als in den vergangenen Jahren — parallel lediglich das ­Kinder- und Jugendprogramm in Köln zu sehen sein und ein Langfilm aus dem Erwachsenenprogramm.

Die Mission des IFFF, Frauen in der Filmbranche sichtbar zu machen, kann in Köln also zumindest noch an einer wichtigen Stelle umgesetzt werden, nämlich den heranwachsenden Generationen weibliche Vorbilder zu schaffen. Nach dem Motto »Sichtbarkeit ist Machbarkeit« zeigt das Kinder- und Jugendprogramm des IFFF Filme von Frauen mit Frauen im Zentrum der Geschichte. Die Programme sind nach Altersstufen gestaffelt und richten sich an Kitas und Schulen, die die vormittäglichen Vorstellungen mit Gruppen besuchen können. Alle Vorführungen werden von einer Filmvermittlerin begleitet, bei manchen sind auch die Filmschaffenden anwesend. Etwaige Content-Hinweise für die Filme finden sich auf der Webseite des Festivals.

Das Kurzfilmprogramm für Kinder ab acht Jahren beschäftigt sich mit Rollenerwartungen und -einschränkungen. So zeigt »Yo voi conmigo« (»Auf meine Weise«) von Chelo Loureiro in fantasievoller Kinderbuchästhetik, wie Protagonistin Elisa lernt, sich selbst treu zu sein. Für Kinder ab zehn Jahren, die bereits die ersten Vorläufer der Pubertät erfahren, stellt das entsprechende Kurzfilmprogramm die Herausforderung in den Vordergrund, die Veränderungen mit sich bringen. In Júlia Tudiscos ­eindrücklichem Animationsfilm »Children of the Bird« ringen etwa zwei gegensätzliche Naturkräfte um einen friedvollen Ausgang für die gemeinsame Schöpfung.

Das Kurzfilmprogramm für ­Jugendliche ab zwölf befasst sich mit Zusammenhalt, sowohl gesellschaftlich wie familiär. »Die lauteste Zeit« zum Beispiel wirft ­einen Blick auf Luca, die nach einem Umzug mit der Familie nach Anschluss sucht; dabei bietet die Beziehung zu ihrer autistischen Schwester trotz Konflikten auch Trost. Der Film wird von Hauptdarstellerin Rubi Schimmelpfennig und Regisseurin Lea Marie Lembke vorgestellt. Um das Leben zwischen zwei Welten geht es im Kurzfilmprogramm für ­Jugendliche ab 14 Jahren. In »Rachid« von Rachida El ­Garani ringt etwa dessen namengebender ­Protagonist humorvoll mit den unterschiedlichen Erwartungen, die seine marokkanische Herkunftskultur und seine belgische Ankunftskultur an ihn stellen.


Aufgrund der Kürzungen im Kulturetat wird lediglich das Kinder- und Jugendprogramm in Köln zu sehen sein

Auch zwei Langfilme mit zukunftsweisenden Themen bietet das IFFF-Programm für Jugendliche. »Das leere Grab« von Agnes Lisa Wegner, der ab 14 Jahren empfohlen ist, zeigt die langfristigen Folgen der deutschen Kolo­nialgeschichte. Im Mittelpunkt ­stehen tansanische Familien, die versuchen, die Gebeine ihrer Vorfahren aus hiesigen Museen zurück in ihre Gräber zu bringen.

Die Regisseurin wird anwesend sein und Fragen aus dem Publikum ­beantworten. Schließlich zeigt »My Sextortion Diary« von Patricia Franquesa einem Publikum ab 16 Jahren, ganz im Sinne des neuen Kampfrufs »Die Scham muss die Seiten wechseln!«, wie die ­junge Filmemacherin sich ­gegen Erpresser zur Wehr setzt, die ­intime Bilder von ihr zu ver­öffentlichen drohen.

Infos: frauenfilmfest.com

 

42. Internationales Frauen Film Festival Dortmund + Köln

Wer den Weg nach Dortmund nicht scheut, findet beim IFFF viele lohnende Filme, die sonst in NRW wahrscheinlich nicht zu sehen sein werden. Dazu gehört etwa der Psychothriller »Salve Maria« der katalanischen Filmemacherin Mar Coll, der im Internationalen Spielfilmwettbewerb gezeigt wird, oder der im Rahmen eines Specials präsentierte Dokumentarfilm »The Long Road to the Director’s Chair« über das erste Internationale Frauenfilmfestival in Deutschland. Ergänzt wird die Vorführung durch ein Kurzfilmprogramm mit Werken der damals teilnehmenden Regisseurinnen wie Helke Sander und Claudia von Alemann. Das große Themenprogramm Fokus nimmt unter dem Titel »Sehen lernen und verlernen — Film dekolonisieren« 120 Jahre Kolonialismus und Rassismus im Kino in den Blick.

In Dortmund und Köln zu sehen sein wird der Dokumentarfilm »Sudan, Remember Us«, mit dem Hind Meddeb auf den hier kaum beachteten Krieg im Westen Afrikas aufmerksam macht, vor allem auf den Kampf junger Sudanes*-innen — eine Hommage an die Kraft der Kreativität als Mittel des Überlebens und des Widerstands.

So 6.4., »Sudan Remember Us«, Filmhaus, 15 Uhr.