Verlostes Erbe
In einer alternativen Gegenwart im Depot 2 des Schauspielhauses Köln werden Familienerben nicht qua Geburt vererbt, sondern verlost. Die dafür notwendigen Lose verwaltet das Jobcenter. Jede Person kann sich, theoretisch, ein Los kaufen und hat damit ein »Anrecht« auf das ausgeloste Erbe.
Aber kann damit das grundlegende Problem der ökonomischen Ungleichheit wirklich aufgelöst werden? In dem Film »Nightcrawler« heißt es so schön: »Wenn du im Lotto gewinnen willst, dann brauchst du die Kohle für einen Lottoschein.« Selbst wenn Erben verlost würden, gäbe es weiterhin Menschen mit mehr Kapital, die alle Lose aufkaufen könnten.
Fritzi Wartenberg führt Regie bei »Jeeps«, der Komödie von Nora Abdel-Maksoud, die eine typische Heist-Geschichte in ein Jobcenter verlegt. Trotz des augenscheinlich politischen Anspruchs, bleibt das Stück völlig zahnlos auf der Strecke.
Die Bühne ist ja eine Form der Weltdopplung. Obwohl diese grundlegende Prämisse des Theater es ermöglichen sollte, zur eigenen Welt in Distanz zu treten, um zum Beispiel anders über das Erben nachzudenken, wird hier gerade das verschleiert. Die Fahrbahn etwa, die sich über die gesamte Bühne spannt, bleibt absurderweise völlig hintergründig. Dabei würde sie sich, gerade im Kontext eines Heists, eines Raubüberfalls, anbieten, etwas Abstrakteres darzustellen. Das schnelle, ungebremste und individuelle Fahren, was in den gelungensten Heist-Filmen immer auch mit monetären Strömen, wie dem maskierten, also subjektlosen Protagonisten zu tun hat, wäre zum Beispiel ein interessantes Bild für die Bühne.
Statt sich auf die eigenen drei Wände zu konzentrieren, entschied man sich aber für die Vierte. Immer wieder kommt es zu direkten Ansprachen, wobei meistens versucht wird, das Publikum mittels Daten über das Thema der Erbschaft »aufzuklären«. Diese zahlreichen Unterbrechungen sollen wahrscheinlich die Relevanz des Gesagten unterstreichen. Das bleibt aber unkritisch, weil es sich nur auf die individuelle moralische Verantwortung gegenüber des »eigenen Erbes« bezieht.
Die Botschaft ist recht banal: Es sollte schamloser über das Erben gesprochen werden. »Wärst du nicht arm, wär ich nicht reich«, hieß es auf der Bühne einst bei Brecht, ergo: Davon kann sich die Mehrheit, die für die Existenz dieses Erbes schuftet, auch nichts kaufen.