Viel Fantasie, wenige Regeln: Pulk Fiktion, Foto: Christian Knieps

Warum mischen sich Erwachsene immer ein?

Pulk Fiktion bringt »Unsere Grube« von Emma AdBåge auf die Bühne: anarchistisch, verrückt, inspirierend

Eine der anarchischsten, ver­rücktesten und tollsten Jugendtheatergruppen von Köln ist Pulk ­Fiktion. Sie bringen Kinder mit Ideen zum Mitmachen, auf die andere eher nicht so schnell kommen. Etwa, indem sie ihnen sprichwörtlich Geld aus der ­Tasche ziehen und zum Nach­denken über Reichtum und ­Gerechtigkeit anregen (»Robin und die Hoods«). Bei Pulk-­Fiktion-Produktionen bauen ­Kinder Verstecke, stellen Regeln auf, schaffen andere ab, gruseln sich gemeinsam, beim Format »JungerPULK« entwickeln Kinder Stücke sogar direkt mit.

In Pulk Fiktions neuestem Stück toben sie auf einer fantastischen riesigen Gummireifen-Landschaft erstmal minutenlang selber mit — in einer imaginären »Grube« hinter der Schule. ­»Unsere Grube« nach dem gleichnamigen, preisgekrönten Bilderbuch von Emma AdBåge ist ein Stück über kindliche Freiräume und erwachsene Ängste, die ­ihnen Grenzen setzen. Warum mischen sich Erwachsene immer ein? Wovor haben sie Angst und wann ist es berechtigte Sorge? Wann sind Regeln sinnvoll und wo übertrieben und übergriffig?

Nach dem Toben werden ­Kinder erstmal gefragt, was sie denn am liebsten spielen. Fußball, Verstecken und Lego sind ganz vorne  dabei — und werden vom Performer Simon Brinkmann am Bügelbrett-Keyboard und fetten Drums in einen total lässigen Song verwandelt. Unterbrochen wird er jäh von Julia Hofstaedter. Sollte nicht das Kabel woanders liegen wegen Stolpergefahr? Ist auch die Brandschutzunterlage da? Währenddessen saugt ­Marouf Alhassan lautstark das ­leckere Popcorn vom Boden. Wie nervig diese Erwachsenen sind. Doch dann sind auf einmal alle Performer weg, die Kinder ­allein — und die Reifen fangen an zu qualmen. Ein Grusel­moment, der manches Kind zum Grübeln bringt. Aber da sind sie schon wieder.

Was passiert, wenn in der ­Grube wirklich jemand mal hart hinfällt? Ein Kind darf das nachspielen und thront mitten auf der Bühne, bedeckt mit roten Woll­fäden. In Interview-Einspielern sagen Kinder, welche Regeln sie total unsinnig finden und Erwachsene, welche Sorgen sie sich manchmal machen. Zum Schluss taucht ein Kind noch ganz tief in den »gefährlichen« Bühnenuntergrund ab — und wir lernen, dass die besten Grenzüberschreitungen noch immer in der Fantasie stattfinden. Auch wenn eine ­etwas stringentere Story vielleicht noch schöner gewesen wäre, ist Pulk Fiktion erneut ein total ­inspirierendes Stück gelungen.