Die Nähmaschine näht: Anna Rubin, »Streamer«, Foto: Cherry Hill; Courtesy: Die Künstlerin

Kirsche auf der Torte

Der Off-Space Cherry Hill zog unlängst von Lindenthal in die Innenstadt

Ein neues Schaufenster an der Moselstraße lässt normalerweise den Blick ins Innere des Off-Spaces Cherry Hill zu — bei unserem Besuch war das große Fenster allerdings mittels Folie undurchsichtig gemacht. Kein Grund, abgeschreckt zu sein: Lea Lahr begrüßt uns sehr einladend.

Sie betreibt den Ort gemeinsam mit Victor Beger, sie erzählt, dass sie Kunstgeschichte in Köln studierte und derzeit in Frankfurt im Studiengang Curatorial Studies eingeschrieben ist. Cherry Hill soll dennoch keine Köln-Dependance für Frankfurter Künstler*innen werden, auch wenn das naheliegend wäre. Stattdessen sieht Lahr den Ort als »Plattform für kuratorische Experimente«. Während sie theoretisch-akademische Inhalte einbringt, ist Victor Beger selbst Künstler und Student an der Kunsthochschule für Medien.

Gemeinsam haben sie bereits vor Cherry Hill kleinere Projekte realisiert, woraus das Bedürfnis nach einem kohärenten Programm in einem langfristig bespielbaren Raum entstanden ist. Ihr Anspruch ist es, jungen Positionen, die bisher keine eigene Ausstellung in Deutschland oder im Rheinland vorweisen können, Ort und Plattform zu bieten. So verhielt es sich zum Beispiel mit der in New York lebenden Anna Rubin, die abgesehen von einem Gastspiel auf der Art Basel hier erstmals in Europa ausstellte. Rubin haben wir das abgedunkelte Schaufenster zu verdanken, denn die Fläche wurde für eine Projektion benötigt: eine Videoarbeit in Scherenschnittoptik, in der eine Nähmaschine zwar verlangsamt, aber unaufhörlich in Betrieb ist. Dazu rotierte an einem dünnen Faden im hinteren Raum eine Disc vor einer Lampe, warf irisierende Schatten an wechselnde Wände des Ausstellungsraumes.

An der Moselstraße eröffneten Lahr und Beger im November 2024 ihre erste Ausstellung. Zuvor war Cherry Hill in der Einkaufspassage auf der Dürener Straße in Lindenthal beheimatet. Das ehemalige Sonnenstudio mit dem Charme der 80er Jahre Charme stellte das kuratorische Team vor eine ganz besondere Herausforderung. Schon damals zeigten sie ein ambitioniertes Programm, beispielsweise mit Duoausstellungen von Asta Lynge und Jakob Ohrt oder Julian Krause und Sarah Doolan zum Galerienwochenende DC Open. In beiden Räumen legt das Kurationsgespann ein besonders Augenmerk auf die Produktion von Atmosphären — auch bei ihrer aktuellen Show mit dem Künstler Michael van den Abeele (bis 24.5.) lassen sie Sensibilität und Intimität in ungewohntem Maße zu.

Cherry Hill, Moselstr. 46, samstags 14–18 Uhr und nach Vereinbarung