True-Crime-Performance: »Autsch, warum geht es mir so dreckig«, Foto: Mayra Wallraff

Spitz und einfallsreich

True Crime, gutes Essen und Schlager und Ballett: Das Impulse Festival bespielt die Rhein-Ruhr-Achse

Mit seiner 35-jährigen Geschichte bildet das Impulse Festival eine der wichtigsten Plattformen für die Freie Theater-, Tanz- und ­Performanceszene im gesamten deutschsprachigen Raum. Vom 18.6. bis 6.7. spielt sich auf der Rhein-Ruhr-Achse ein interdisziplinäres Fest in Kooperation mit der studiobühneköln, dem Ringlockschuppen und dem FFT ­Düsseldorf ab.

Die Leitung des Festivals hat 2025 erstmalig Franziska Werner inne. Die Auswahl außergewöhnlicher Produktionen des letzten Jahres durch eine siebenköpfige Jury werden im Wochenrhythmus in Köln, Mülheim an der Ruhr und Düsseldorf gezeigt. Das Programm legt wert auf Kontinuität: Wie immer ist es spitz, politisch und einfallsreich.

In »Ich nehm dir alles weg« verbindet die Choreografin Joana Tischkau zwei konträre Ausdrucks­formen: Schlager und ­Ballett. Sie schöpft aus der Kulturgeschichte Schwarzer deutscher Schlagerstars und der Arbeit von Pina Bausch und kreiert mit ihrem Ensemble ein lautes, humoristisches Tanztheater. Theater- und Performancekünstler Jaha Koo platziert in »Haribo Kimchi« einen koreanischen Schnellimbiss ­inklusive Live Cooking als Schauplatz einer Verhandlung von ­kultureller Iden­tität und Assimilation. Protagonis­ten sind unter anderem eine Schnecke, ein Gummibär und ein Aal, die von Migration und Heimat berichten und das im Beisein des allseits verbindendem sozialen Klebstoff: gutem Essen. »Autsch — Warum geht es mir so dreckig?« Das fragt sich die Regisseurin Simone Dede Ayivi in ihrem gleichnamigen Stück, das sie zum Zwecke einer Spurensuche folgerichtig als True-Crime-Performance inszeniert. Die Antworten sind viel­zählig: Schädlingsbefall in der Wohnung, Kürzungen in der ­Kulturbranche, struktureller ­Rassismus. Ein klarer Fall: Hier sind Missstände am Werk, die die gesamte ­Gesellschaft betreffen.

Abseits vom regulären Spielplan startet beim Impulse Festival in diesem Jahr die Programmlinie »Post-West«, die sich mit dem Spannungsverhältnis von Ost- und Westdeutschland auseinandersetzt und Gastspiele und ­Projekte mit entsprechendem Themenbezug und großer Spreng- und Innovationskraft ­präsentiert. Neben dem vielseitigen Line-up sind diese Initiative und die erstmalige Leitung durch Franziska Werner starke Indikatoren dafür, dass man sich auf das namensgebende Element des Festivals freuen kann: Neue Impulse.  Luca Swieter

18.6.–6.7., impulsefestival.de