Brückenbau Portugal-Köln
Paulo Nunes sitzt in seinem hohen, hellen Galerieraum, dessen Glasfront zum Innenhof des Carrés im Clouth-Quartier gerichtet ist. Auf der Wand aus Sichtbeton hinter seinem Schreibtisch hängt eine beeindruckende Schwarzweißfotografie von Mário Macilau. Der vielfach preisgekrönte Fotograf aus Mosambik, der 2015 an der Biennale in Venedig teilnahm, ist prominentes Aushängeschild der seit nunmehr dreieinhalb Jahren in Köln ansässigen Galerie Alex Serra.
Paulo Nunes studierte einst Maschinenbau, ist jedoch seit 25 Jahren professionell im Kunstbetrieb tätig. Seine Biografie erweist sich so bewegt wie die Geschichte seiner Galeriegründungen. Geboren in der Nähe von Frankfurt am Main wuchs Nunes in Portugal und Brasilien auf. Während seines Studiums an der Universität in Lissabon knüpfte er enge Verbindungen zur dortigen Kunstszene. Um das erste eigene Kunstwerk finanzieren zu können, bat der von seiner neuen Leidenschaft entflammte Student seine Professor*innen um Unterstützung bei der Jobsuche. Die Eröffnung eines Ausstellungsraums in seinem Wohnort — 25 Kilometer von Lissabon entfernt — erfolgte 2001 mithilfe eines gewachsenen Netzwerks aus befreundeten Künstler*innen, die Werke beisteuerten. 2011 entschied sich Nunes ausschließlich für die Kunst.
Eine weitere Etappe sollte 2020 die Neugründung der Galerie Alex Serra in Köln sein, um »eine Brücke zu schaffen, zwischen Deutschland und Portugal«. Bedingt durch die Pandemie konnte Nunes sein Programm erst ein Jahr später in Räumen am Gereonswall präsentieren — gleichzeitig trat er damit in Kontakt zu hiesigen Kunstschaffenden. So begeisterte ihn etwa beim Besuch des Museums Kolumba eine monochrome Malerei von Dorothee Joachim, die er im Anschluss in seinen Künstlerstamm übernahm. 2023 fand der Umzug in die Räume auf dem ehemaligen Industriegelände in Nippes statt.
Sich weiterzuentwickeln und immer wieder neu zu erfinden scheint das Motto von Nunes zu sein, Flexibilität im globalen Kunstmarkt ist für ihn extrem wichtig. Seit April kooperiert er mit der Galerie Carlos Carvalho aus Lissabon, wobei Nunes betont, dass die Partnerschaft »ein Dialog, keine Fusion« sei. Mittlerweile umfasst das vielfältige Programm des umtriebigen Galeristen 16 Künstler, davon stammt die Hälfte aus Deutschland — darunter die Kölner Künstlerin Christine Reifenberger, deren Tempera-Gemälde im Juni gezeigt werden.
Galerie Alex Serra, Niehler Straße 104, Clouth Gebäude 104 (Erdgeschoss)
Christine Reifenberger, »Vom Schweben und Strömen«. Eröffnung 6.6., 18–22 Uhr, bis 26.7., Di.–Fr. 12–18, Sa. 12–17 Uhr