Thea Mantwill: »Glühfarbe«

Ein Buchtipp der Stadtrevue

Verträumt, verwegen, bis hin zu plötzlich gewaltvoll beschreibt Thea Mantwill in ihrem Debütroman den Alltag der namenlosen Ich-Erzählerin und ihrer Beziehungsperson Buster in einer nicht sehr fernen Zukunft. Jeden Tag tänzelt Buster von dem Fabrikgebäude, in dem die beiden untergekommen sind, in die Stadt, um ­einen Job zu finden. Denn das junge Paar verspricht sich von seiner Festanstellung die ersehnte Wohnfähigkeitsbescheinigung, die ­ihnen den Schritt aus der Fabrik in einen Wohnpark sichern würde.

Dieses Buch über das Gesehenwerden und das Ungesehenbleiben entwickelt schnell den Unterton einer lauernden Gefahr (Welches Wasser tropft da Tag für Tag auf die Matratze der Hauptpersonen, wie lange können die beiden nur von Tomaten und Pistazien leben?), überlagert von romantischen Eindrücken der Halbwildnis um das Fabrikgebäude herum. Während Buster immer mehr Zeit im Außen verbringt, wendet sich die Protagonistin dem Metaverse zu, in dem Bilder ihrer sonderbaren Lebenslage zum Followermagnet werden. 

Mantwill führt die Absurdität von Social Media elegant vor und »Glühfarbe« hinterlässt das Gefühl, in eine gespenstisch, aber auch vertraute Welt eingetaucht zu sein, das einen nicht so schnell wieder loslässt.

März Verlag, 154 Seiten, 22 Euro