Nicht an meinem Bahnsteig

Die nächtliche Vertreibung von Obdachlosen aus U-Bahn-Stationen ist zynisch

Die KVB will zukünftig ihre U-Bahn-Stationen nachts verschließen, damit dort keine Obdachlosen mehr übernachten. Zunächst am Appellhofplatz, danach an den anderen knapp vierzig unterirdischen Haltestellen. Stattdessen will das ­Verkehrsunternehmen einen Shuttleservice zu Obdachlosenunterkünften sowie einen Kältebus anbieten. Um das leisten zu können, benötige die KVB jedoch zusätzliche finanzielle ­Mittel von der Politik. Eine Unterstützung durch eine ­Ratsmehrheit ist möglich.

Klingt zynisch? Ist es auch. Denn so unangenehm der Müll, die Fäkalien und Gerüche von Obdachlosen sein mögen — ­unmittelbar gefährdet ist dadurch niemand. Nicht umsonst schauen Sozialträger und Obdachloseninitiativen mit Skepsis auf die Pläne. Es ist bekannt, dass etwa Notunterkünfte von Obdachlosen oft bewusst nicht aufgesucht werden, weil sie dort zu wenig Privatsphäre haben, weil sie bestohlen werden oder sogar Gewalt erfahren ­haben. Parallel zu den KVB-­Plänen wird zurzeit am Landgericht der Mord an einem ­Obdachlosen verhandelt. Er wurde kurz vor Weihnachten  in Ehrenfeld in seinem Schlafsack auf der Straße zusammengetreten. Für Obdachlose gibt es kaum sichere Orte.

Sozialträger und Obdachlosen­initiativen schauen mit Skepsis auf die Pläne

Dass die KVB-Pläne positiv aufgenommen werden, zeigt, wie egal das offenbar vielen Verantwortlichen ist. Sie sehen die Obdachlosen als Problem, und nicht die Obdachlosigkeit. Programme wie »Housing First« kommen nicht über das ­Modellstadium hinaus und, auch wenn jede obdachlose ­Person eine individuelle Geschichte hat, wird es für sie nicht leichter werden, die Ob­dachlosigkeit hinter sich zu lassen, wenn es selbst für Mittelschichtsfamilien schwierig ist, bezahlbare Wohnungen in Köln zu finden. Vielleicht zeigt sich darin auch ein »vibe shift« der bürgerlichen Mitte: Soziale ­Probleme sollen möglichst nicht vor der eigenen Haustür stattfinden — egal ob Obdachlosigkeit oder Drogensucht. 

Passend dazu hat der Noch-Innenstadt-Bürgermeister ­Andreas Hupke gerade ein Wahlbündnis ins Leben gerufen, das diese Art von Not-­­in-my-Backyard-­Haltung als politisches Programm hat. 

Es wird also ungemütlicher werden in den engen Gassen und Straßen der Kölner Innenstadt. Und daran sind nicht die Obdachlosen schuld.