Die nächsten 500 folgen
Kompakt — das Label, das Netzwerk, die DJ- und Künstlergemeinschaft, der Inbegriff von futuristischem Techno — im Kölnischen Kunstverein? Das kennen wir doch, oder? Stand doch Kompakt stets für beides: für die hemmungslose Party, das Große Gefühl zwischen 2 und 6 Uhr; und für ein absolut klares Konzept zwischen Düsseldorfer Künstlerbar anno 1980 und New Yorker Minimalismus.
Tatsächlich ist die Ausstellung im Kunstverein etwas Besonderes, ja sogar: Einmaliges. Das Label präsentiert sich — seine Geschichte, sein künstlerisches Konzept, dem sich die Gründer Wolfgang Voigt, Jürgen Paape und Michael Mayer seit mindestens 1998 ungebrochen verpflichtet fühlen — und sucht die Interaktion mit
befreundeten Künstlerinnen und Künstlern. Und weil »Konzept« fast alles ist, kriegt diese Ausstellung eine Katalognummer: »Kompakt 500«.
»Komapkt 500« ist aber auch eine opulente Compilation auf Vinyl, CD oder rein digital. Sie stellt eine Zeitreise dar, versammelt sie doch auch Tracks, die vor der eigentlichen Kompakt-Gründung entstanden sind. Wir landen also tief in den 1990ern, zum Beispiel beim Voigt-Track »Rosenkranz«, der ein frühes meisterhaftes Beispiel für die exakt abgezirkelte, superstreng (geometrisch) durchgestaltete Soundästhetik der Kölner ist — und der trotzdem jede Menge Spaß macht. Erinnernt wird auch an Dettinger, dessen 1999er »Intershop« das erste Künstleralbum auf Kompakt war und der »offiziell« die Ära des Konzepttechno einleitete.
Die Compilation ist aber nicht als Geschichtsunterricht angelegt, auch die Ausstellung ist keine Lehrstunde. Wir sind hier nicht im Stadtmuseum! Die Compilation funktioniert als groß angelegtes DJ-Set, das den Hörern zugleich ermöglicht, den Einstieg ins Kompakt-Universum auf eigene Faust zu finden. Man kann sich die Kontraste, die Reibungen selber aussuchen: Ein kölsch-beschwingter Track wie »Tischlein Deck Dich« (2014,
von den Voigt-Brüdern Wolfgang und Reinhard) trifft auf die kratzig angeraute Party-Oberfläche von »Dicht dran« (Schaeben & Voss, 1999).
Voilà. Das ist die Kehrseite der Strenge und heiligen Konsistenz: Verspieltheit. Gags. Augenzwinkern. Akzeptiert man als DJ die (unausgesprochenen?) ästhetischen Vorgaben des Labels, eröffnen sich innerhalb dieser Parameter ungeahnte Freiheiten. Und das ahnt man dann schon: So wie sie 500 Releases zustande gebracht haben, reicht die Luft der Kreativität auch noch für die nächsten 500.
Info: Die Ausstellung ist noch bis 20.7. zu sehen (koelnischerkunstverein.de); »Kompakt 500« ist als 5fach-LP mit Katalog, als Dreifach-CD oder als Digital Release über kompakt.fm zu beziehen.