Auch ohne Stimme bestimmt: Fionnula Flanagan

Vier Mütter für Edward

Darren Thornton lässt einen Schriftsteller an vier älteren Damen verzweifeln

»Ich ertrag’s einfach nicht mehr. Alles was sie will, ist rauchen und Fernseh’ glotzen«, stöhnt Colm über seine betagte Mutter Jean — und stößt bei seinen Freunden auf verständnisvolle ­Ohren. Die sitzen nämlich im ­gleichen Boot: Maude, die Mutter von Billy, schleicht sich ständig bei ­Totenwachen wildfremder Leute ein, und Edwards Mutter Alma hat zwar durch einen Schlaganfall ihre Stimme verloren, kommandiert aber mit einer digitalen Sprach-App ihren Sohn herum wie die Stephen-Hawking-Version einer irischen Matriarchin.


Regisseur Darren Thornton und sein Bruder Colin, die zu­sammen das Drehbuch zu »Vier ­Mütter für Edward« geschrieben ­haben, wissen genau, wovon sie ­erzählen: Ungefähr zu der Zeit, als ihr erster Film »A Day for Mad May« erschien, zogen sie zurück nach Hause, um ihre Mutter zu pflegen. Wie es der Zufall wollte, bekamen sie kurz darauf das ­Angebot die italienische Erfolgskomödie »Das Festmahl im ­August« zu adaptieren. Aus Rom wurde Dublin, und dieses Mal sind es drei schwule Freunde, die ihre Mütter bei Edward abladen, um sich ein paar Tage auf der ­Maspalomas Pride auf Gran ­Canaria zu vergnügen.


In der Rolle von Edwards Mutter brilliert Fionnula ­Flanagan — stimmlos, aber umso ­bestimmter. Auch die anderen Mütter sind hervorragend ­besetzt: ­Dearblha Molloy gibt die mürrische Jean, Stella McCusker die spießige Maude und Paddy Glynn die freigeistige Rosey, ­Mutter von Edwards ­Therapeuten. Starrsinnig und ­fordernd sind alle vier ­Damen. Aber auch voll trockenem Humor und Lebensklugheit.


Und so hat der Mitdreißiger Edward mit ihren Eigenheiten alle Hände voll zu tun. Dabei ist sein Coming-of-Age-Roman auf TikTok gerade viral gegangen und er steht kurz vor seinem literarischen Durchbruch. Dafür müsste er aber eigentlich die Gunst der Stunde ergreifen und auf Werbetour nach Amerika gehen. Liebeskummer hat er obendrein, und es ist ausgerechnet sein Ex, der ihn ein wenig unterstützt. Während man mit dem von James McArdle berührend verkörperten Schriftsteller Edward leidet und lacht und den eher konservativ geprägten Müttern bei ihren anrührenden Gesprächen über das Schwulsein ihrer Söhne lauscht, begreift man ebenso wie die irischen ­Golden Girls: Manchmal benutzt man seine Familie als Ausrede — aus Angst vor dem Sprung ins ­eigene Leben.

(Four Mothers) IRL 2022, R: Darren Thormton, D: James McArdle, Fionnula Flanagan, Paddy Glynn, 89 Min. Start: 10.7.