Nasale Phase: Brunnen am Bezirksrathaus Ehrenfeld, Foto: Dörthe Boxberg

Den richtigen Riecher beweisen

Kaul, Winter, Zabriski: Nasenbrunnen, Venloer Straße 419

Die Nase ist tief im kulturellen Bewusstsein verankert. In der Kunst begegnet man ihr von Giacometti bis William Kentridge, nirgends verfängt sie aber so sehr wie im sprachlichen Gedächtnis. Der   Literaturwissenschaftler Michail Bachtin (1895–1975) nennt sie das wohl verbreitetste Motiv der Welt­literatur und verweist auf unzählige Redewendungen. Bei diesen hat der Volksmund nicht nur metaphorisch die Nase vorn, beweist er doch jenseits phallischer ­Semantik ein feines Gespür für symbolische und soziale Aspekte nasologischer Motive. In die Welt ragend, kann man sich an die ­eigene Nase fassen, an ihr herumführen lassen, auf sie fallen, sie rümpfen und gelegentlich sogar auf ihr tanzen. Ein Gesicht ohne sie ist schwer vorstellbar.


Unweit der Venloer Straße ragen zehn solcher Nasen an einer bronzenen Stele über den Platz vor dem Ehrenfelder Bezirksrathaus. Die aufgetürmten Ringe mit Nasen­reliefs bilden den sogenannten »Nasenbrunnen«, der 1987 von den Künstler*innen Christine Kaul, Nuith Winter und Lyon ­Zabriski erbaut wurde. Nicht als Ausdruck einer monolithischen Geste, sondern als gestaffelte Komposition erscheint die ­Skulptur, die Schicht für Schicht, Nase für Nase in die Höhe steigt, wie ein physiognomisches ­Archiv: lange, stubsförmige und kugelige Nasen weisen in alle Himmelsrichtungen. Was als ­Anspielung auf die »Nasoni« in Rom erscheint — die öffent­lichen Trinkbrunnen mit nasenförmigem Hahn —, führt hier ins 19. Jahrhundert der Kölner Stadtgeschichte. Initiiert ist die ortsspezifische Plastik als Erinnerung an Leonard Lersch, ein stadtbekannter, teils berüchtigter Hundefänger mit großem Spürsinn, der in der Nußbaumer Straße lebte. Schon damals warfen Tierschutz-Initiativen ihm Fehlverhalten im Umgang mit den Hunden vor.


Denkmalwürdig scheint eher sein Spitzname »Läsche Nas«, der Bezug nimmt auf seine hervor­stehende, angeblich stets tropfende Nase. Die Brunnenskulptur greift diese Zuspitzung körper­betonter Bildsprache auf und markiert die Nase in grotesker Spielart als Trägerin von ­Geschichten, Bedeutungen und Normen. Losgelöst wird sie zum theatralen Phänomen, das diese überhöht, in ihrer Absurdität aber auch unterwandert. Die lustvolle Entgrenzung laufender Nasen nimmt hier eine ästhetische Kehrtwende. Ob tropfende Hähne oder Nasen — aus dem Brunnen fließt, so wird es kolportiert, nur »Kölnisch Wasser«.