Lachgas und Würstchen
Gerade mal zweihundert Meter ist die Trimbornstraße lang, doch in Köln kennt sie fast jeder. Schließlich ist nach ihr die einzige S-Bahnhaltestelle in Kalk benannt, und jeder, der von dort in die U-Bahn umsteigen will, muss die Straße mit ihren Gründerzeithäusern komplett durchqueren. Berühmt oder vielmehr berüchtigt ist die Straße auch für ihre Kioske, die Lachgas und Vapes zu günstigen Preisen verkaufen. »Und die Straße ist die dreckigste in ganz Köln — das sagt zumindest die AWB«, sagt Linda Weidmann.
Die Cutterin Linda Weidmann und der Künstler Florian Egermann wohnen seit Jahren in der Straße, und sie arbeiten auch dort — im »Idyll«, einem ehemaligen Ladenlokal, das ihnen als Arbeitsraum dient, aber inzwischen auch zu einer Art Veedelstreffpunkt geworden ist. Anwohner schauen vorbei, berichten das Neueste, erkundigen sich nach Nachbarn. Dieses Miteinander ist auch durch das Trimbornstraßenfest entstanden, das Linda Weidmann, Florian Egermann und andere 2023 zum ersten Mal organisiert haben. Eigentlich habe man nur ein gemeinsames Picknick veranstalten wollen, so Egermann. Doch als sie ihre Nachbarn per Aushang einluden, sei die Resonanz überwältigend gewesen: »Hier saßen mindestens zwanzig Leute, und alle hatten so viel Energie!«, erzählt Egermann.
So veranstaltete man gleich ein Straßenfest.
Es gab Trödelstände, Konzerte und Führungen. Nachbarn lernten sich kennen, die seit Jahren nebeneinander wohnten, aber beim Fest erstmals miteinander sprachen — so schildern es Weidmann und Egermann. Es kamen auch viele ältere Anwohner, die oftmals schon seit Jahrzehnten dort wohnen. Einige verabredeten sich dazu, die Straße zu begrünen. Heute gibt es drei Beete, um die sich die Anwohner kümmern. »Eins gießt jetzt immer der Betreiber des türkischen Männercafés, das ist am besten in Schuss«, sagt Weidmann. Sie und ihre Mitstreiter befragten die Anwohner auch nach ihren Wünschen und Anregungen. Ergebnis: Viele mögen zwar das bunte und lebendige Flair der Straße und den Altbaubestand, doch viele finden auch: Es gibt zu wenig Platz, vor allem für Fußgänger und Radfahrer. »Der Gehweg ist viel zu schmal für die vielen Menschen, die hier täglich zur S- oder U-Bahn laufen«, sagt Weidmann. Inzwischen haben die Initiatoren des Straßenfests eine Bürgerinitiative gegründet. »Am liebsten hätten wir die Straße komplett autofrei. Aber es würde schon helfen, auf der einen Seite die Parkplätze wegzunehmen und den Gehweg zu verbreitern«, sagt sie. Und es gibt noch etwas, das vielen Sorgen bereitet. Abends und nachts wird die Straße zum Treffpunkt von Jugendlichen, die sich mit Lachgas versorgen, die Anwohner um den Schlaf bringen und Müll hinterlassen. »Viele Nachbarn haben das Gefühl, dass sich in der Stadt keiner dafür interessiert.« Ein bisschen, sagt Florian Egermann, wollen sie mit ihrem Engagement auch zeigen, dass da eben doch jemand sei, der sich kümmert. Fürs diesjährige Fest haben sie eine wichtige Anregung aufgenommen: Einen Würstchenstand. »Viele haben uns gesagt: Wenn es keine Würstchen gibt, ist es ja kein richtiges Straßenfest.«
So, 31.8., Trimbornstraßenfest, 11–19 Uhr