Umtitelung ist keine Problemlösung

Mehr Spielplätze statt ­neuer Begriffe

Die irre Idee, Spielplätze umzubenennen, zeigt, wie Symbolpolitik tatsächliches Handeln ersetzt

Vieles kommt in Köln nicht voran. Schon gar nicht, wenn es um die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen geht. Gesundes Kita-Essen? Sichere Schulwege? Mehr Geld für Jugendzentren? Sanierte Schulgebäude? Fehlanzeige. Das kann warten. Lieber lädt man Jugendliche ab und an zu »partizipativen Prozessen« ein. So wie vor einem Jahr, als die Stadtverwaltung daran ging, ein neues Spielplatz-Schild zu entwickeln. Damit sollte »dem erweiterten Inklusionsgedanken, der die Diversität der Nutzer*innen im Rahmen ihres Alters, ihrer kulturellen Hintergründe und möglicher Behinderungen berücksichtigt, Rechnung getragen werden«. Der Begriff Spielplatz sei »eingrenzend« und »veraltet«. Ein ganzes Jahr und 38.000 Euro brauchte es, um Abhilfe zu schaffen: Spielplätze sollen »Spiel- und Aktionsflächen« heißen — damit sich niemand mehr diskriminiert fühlt. Und die Figuren auf dem neuen Schild sind genderneutral und divers. 

Statt die Realität schönzufärben, braucht es für ­Kinder und Jugendliche ­wirkliche Unterstützung

Wenn Kinder mit einer Behinderung also bislang auf Spielplätzen keine Freude hatten, lag es am Schild — und nicht etwa an fehlenden Spielgeräten für sie. Aber wer mit seinem Kind die Kölner Spielplätze besucht, wundert sich schon, dass es auch Jugendliche geben soll, die sich vom derzeitigen Spielplatz-Schild abhalten lassen, eben diesen Spielplatz zu betreten. Ebenso wie mutmaßlich Erwachsene, deren Wodkaflaschen und Zigarettenkippen man anderntags wegräumen muss. Insofern ziehen Spielplätze längst eine »Diversität der Nutzer*innen« an. Interessant ist aber, dass Menschen, die sich so sehr um falsche Begriffe sorgen, sonst oft von safe spaces reden, wo man unter seinesgleichen bleibt — für Kinder soll das auf Spielplätzen offenbar nicht mehr gelten. Stattdessen wird alles zur »Aktionsfläche« für alle und daraus entstehende Konflikte sollen einfach mit dem neuen Begriff weggezaubert werden. 

Teile der Politik verteidigen weiterhin diese Posse und rühmen den »Partizipationsprozess«. Aber wie heuchlerisch ist es, zu behaupten, die Interessen von Kindern und Jugendlichen ernst zu nehmen, wenn alles, was sich daraus ergibt, ein neues Schild und eine neue Bezeichnung ist, die sich niemals ein Jugendlicher ausdenken würde. Statt Begriffe auszutauschen und die Realität schönzufärben, braucht es für Kinder und Jugendliche wirkliche Unterstützung. Im September entscheidet der Stadtrat, ob die Posse weitergeht.