Bringt OB-Kandidat Markus Greitemann in die Bredouille: Ehemalige Kaufhof-Zentrale an der Leonhard-Tietz-Straße

50 Millionen mehr — für was noch mal?

Ein Großteil der Stadtverwaltung soll in die ehemalige Kaufhof-Zentrale ziehen. Doch die Anmietung wirft Fragen auf

Die Stadt sucht für ihre Mitarbeiter händeringend neue Büros: Der Vertrag für das Stadthaus in Deutz, das die Stadt seit Mitte der 90er Jahre mietet, läuft 2029 aus, und es gibt keine Kaufoption. Für notwendige Modernisierungen müsste die Stadt als Mieterin selbst aufkommen. Das würde zu teuer, die Stadt sucht etwas Neues. Bei der Gelegenheit will sie eine »deutliche ­Reduzierung der Büroflächen« vornehmen, um den Haushalt zu konsolidieren, wie es heißt. 

Der Rat beschloss deshalb, ­einen Büroneubau in Deutz zu kaufen. Außerdem fiel die Wahl auf die ehemalige Kaufhof-Zentrale an der Leonhard-Tietz-Straße in der Innenstadt. Dort sollen etwa das Kundenzentrum Innenstadt, das Kulturdezernat, Museumsdienst, Standesamt, Ausländer- und Jugendamt untergebracht werden. Auch für weitere Dienststellen sei Platz, teilt die Stadt mit.

Die Immobilie im Besitz des Versicherungskonzerns Swiss Life sollte zunächst bis 2045 für gut 300 Mio. Euro gemietet werden; nötige Umbauten für die Stadt Köln nimmt der Vermieter vor. Die städtische Gebäudewirtschaft im Baudezernat von Markus Greitemann (CDU) hatte nach einem Ratsbeschluss 2022 den Mietvertrag mit Swiss Life unterzeichnet. Eigentlich sollten dort auch die Kunst- und Museumsbibliothek und ein Interim der Innenstadt-Feuerwache, die an der Agrippastraße neu errichtet wird, unterkommen und 2024 einziehen. 

Dann änderte die Verwaltung ihre Pläne. Denn Swiss Life veranschlagte für den Umbau 120 Mio. Euro zusätzlich — die Stadt hatte keine genauen Angaben zur Ausstattung gemacht. Nun will sie die Feuerwehr übergangsweise an der Löwengasse unterbringen – benötigt aber immer noch 50 Mio. Euro zusätzlich, die der Rat bewilligen soll. Als Grund nennt sie »Umplanungen und daraus resultierende Zeitverzögerungen« sowie die ­daher von Swiss Life geforderten Mietausfallzahlungen. 

Der Rechnungsprüfungsausschuss hält die steigenden Kosten, obwohl die Gebäudewirtschaft keine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegen kann, für »grundsätzlich nachvollziehbar«. Doch viele Ratsmitglieder können nicht nachvollziehen, warum 50 Mio. Euro mehr fließen sollen, obwohl die Feuerwache gar nicht dort einziehen wird. »Wir schrauben die Ansprüche an die Nutzung herunter. Eigentlich sollte es günstiger werden«, sagt etwa Stefanie Ruffen (FDP). »Ich verstehe nicht, ­warum es so ein großer Aufwand ist, 
Büros in Büros umzuwandeln — zumal das Gebäude vor etwa zehn ­Jahren saniert worden ist.« Die Stadtverwaltung nennt auf Anfrage als Grund »besondere ­Bedarfe, die deutlich über eine ›normale‹ Büroraum-Ausstattung hinausgehen«, etwa »neue, zukunftsfähige Zuschnitte für Konzepte wie DeskSharing.« 

Auch tauchen Fragen zum Grundstück für das Feuerwachen-Interim an der Löwengasse auf. Denn ein Teil der Fläche gehört der Stadt, aber den Rest will man durch einen Flächentausch mit ­einer Firma der Bauwens-Gruppe erhalten, zu deren Geschäftsführenden Gesellschaftern Paul Bauwens-Adenauer, CDU-Mitglied, zählt. Einige Politiker anderer Parteien glauben, dass Alternativen zum Standort Löwengasse nicht gründlich geprüft worden seien.

Wir schrauben die Ansprüche an die ­Nutzung herunter. Eigentlich sollte es günstiger werdenStefanie Ruffen, FDP

»Die Vorgänge sind bis heute intransparent«, sagt Christiane Martin, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Weder das Dezernat von Stadtdirektorin Andrea Blome, ­zuständig für die Feuerwehr, noch Baudezernent Markus Greitemann hätten die Fragen der Politik ausreichend beantwortet. »Wer wann auf welcher Grundlage entschieden hat, dass die Pläne für die Nutzung geändert werden und wie dadurch die enormen Mehrkosten entstehen konnten, ist uns unklar«, so Martin. Die Linke kritisiert ein fehlendes Gesamtkonzept für die Arbeitsplätze der ­Verwaltung. Auch sei der Umbau eines alten Verwaltungsgebäudes unberechenbar – so gibt es vier ­Paternoster, die unter Denkmalschutz stehen und betriebsbereit gehalten werden müssen, obwohl man sie nicht nutzen darf.

Auch dass der Umbau in der Hand des Vermieters liegt, wird von Ratsmitgliedern kritisiert, ­viele haben Akteneinsicht beantragt. Baudezernent Markus Greitemann könnte das in die Bredouille bringen, schließlich ist er OB-Kandidat der CDU für die Kommunalwahl im September. Dass sich andere Parteien auf seine Rolle bei der Anmietung konzentrieren, hält man bei der CDU für ein Wahlkampfmanöver. Am 11. August wird sich der Haupt­ausschuss damit befassen, am 4. September der Liegenschaftsausschuss – zehn Tage vor der ­OB-Wahl, für die die CDU mit dem Baudezernenten antritt.