In der Chefrolle: Katalina Sánchez © Eduardo Muñoz

Bitter Gold

Juan Francisco Olea hat einen Neo-Western in der chilenischen Wüste gedreht

Regisseur Juan Francisco Olea bezeichnet seinen zweiten Spielfilm »Bitter Gold« als »Neo-Western«. Das ist nachvollziehbar, denn die übersichtliche Handlung spielt sich vor dem Hintergrund einer Wüstenlandschaft ab, deren Schroffheit in den von Kameramann Sergio Armstrong komponierten Breitwandbildern sogleich an revisionistische Spätwestern New Hollywoods und Italiens denken lässt. Dazu passt, dass die beiden Hauptfiguren, ­Pacifico und seine jugendliche Tochter Carola ihren Kleinbergbau mit vorindustriellen Methoden betreiben, obwohl das Geschehen in der chilenischen Gegenwart angesiedelt ist. Als sich nach einer Viertelstunde abzeichnet, dass Minenbetreiber Pacifico keine Besitzurkunde vorweisen kann, steht zudem das Thema Gesetz­­­losigkeit im Raum, auf dem das Genre seit Stummfilmzeiten ­aufbaut.

Das Drehbuch, für das insgesamt fünf Autor*innen verantwortlich zeichnen, variiert zugleich Erzählmuster anderer Filmgattungen. Wie so manche Hauptfigur eines Film noir oder eines Gangsterdramas spricht ­Carola früh von Ausstiegsplänen: Wie sie vorrechnet, ist das für einen Neuanfang an der Küste benötigte Geld zu 90 Prozent vorhanden. Von ihrem vorbestraften Vater verlangt sie bloß einen Monat Geduld und den Verkauf seines Werkzeugs, als es zu blutigen Komplikationen kommt, die die Genreregeln erfordern.

In der Kupfermine schlüpft nun Carola in die Chefrolle, woraufhin sich der Reiz der Konstellation aus der Frage ergibt, inwiefern Genrekonventionen eine feministische Deutung zulassen. Ansätze dazu ergeben sich aus dem Umstand, dass der Teenager als einzige Frau mit vier Handlangern sowie einem skrupellosen Konkurrenten konfrontiert ist, die alle männlich und älter sind. Allerdings wird der Plot von konkreten Konflikten um die Arbeitskraft angestoßen, die Pacifico und Carola gierig von informellen Angestellten einfordern — und die hinterfragen die Kompetenz der Jugendlichen nicht nur aufgrund von sexistischen Vorurteilen.

(Oro amargo) ROU/RCH/D 2024, R: Juan Francisco Olea, D: Katalina Sánchez, Francisco Melo, Daniel Antivilo, 83 Min. Start: 21.8.