1960 war ein guter Jahrgang: Ralf König in seinem Atelier, Foto: Volker Glasow & Viktor Vahlefeld

Unaufgeregt und ­zufrieden

Ralf König, Deutschlands bekanntester schwuler Comiczeichner, wird 65 Jahre alt

Er sei halt der schwule Comiczeichner, meint Ralf König, »aber je unaufgeregter das Thema Schwulsein mittlerweile ist, desto belangloser wird auch diese Etikette. Gut so!« Dass es soweit gekommen ist, daran hat auch König seinen Anteil. 1987 veröffentlichte er »Der bewegte Mann« über einen heterosexuellen Mann, der nach der Trennung von seiner Freundin in der Schwulen-WG landet. Der Comic verkaufte sich mehr als hunderttausendmal und wurde, ziemlich klischeehaft, von Sönke Wortmann 1994 verfilmt. Der Film war ein Riesenerfolg, und der Moment, in dem das einstige Tabuthema Homosexualität im bundesdeutschen Mainstream angekommen war.  

Die Einnahmen von »Der bewegte Mann« seien für Urlaube und Abendessen mit seinem damaligen Lover draufgegangen, verrät König in »Pflaumensturz und Sahneschnitten«, einem Band zu seinem 65. Geburtstag, den der Kölner Zeichner im August feiert. Im Interview mit Comicexperte Alex Jakubowski spricht er darüber, wie er in den 80er Jahren die »SchwulComix« in einem kleinen Untergrund­verlag veröffentlicht, über die Schmerzen der AIDS-Jahre, und wie mit dem Erfolg auch die Indizierungsanträge kamen. Eine bayerische Staatsanwaltschaft ließ seinen Comic »Kondom des Grauens« beschlagnahmen, was zur Pleite des Verlags führte. So wurden die Knollennasen der König-Figuren zum Symbol für den Kampf gegen den Illiberalismus der Kohl-Jahre und er selbst zum Chronisten einer Szene. 

»Das hat sich heute erledigt«, bekennt König nun im Interview. Er habe nicht den Anspruch, das alles abzubilden und nur »wenig Ahnung von Nicht-binärem und Genderfluid«. So spricht man, wenn man nicht mehr Zugang zu allem hat, was jüngere Menschen umtreibt — und das zum Glück auch bemerkt. 

Auch an Königs bekanntesten Figuren, dem Schwulenpaar Konrad und Paul, ist die Zeit nicht vorbeigegangen. Der dauergeile Paul ist auch mit Ende 60 noch auf der Suche nach Männern, und der kultivierte Konrad macht sich Sorgen um dessen Cholesterin. Zu Weihnachten kommen die Eltern aus dem Altenheim und nach dem Essen gibt es einen Filmabend. Anstelle der »Sissi«-Trilogie liegt im DVD-Player der Film einer Sexparty, die Paul mal besucht hat. Manche Dinge ändern sich halt auch im Alter nicht. Herzlichen Glückwunsch, Ralf König!  

Ralf König & Alex Jakubowski: »Pflaumensturz und Sahneschnitten«, Egmont, 176 Seiten, 35 Euro
Signierstunde: Do 7.8., Buchhandlung Bittner, 16 Uhr