Raus, nicht Rhein
Immer mehr Badeunfälle ereignen sich im Rhein, verbunden mit aufwändigen und auch teuren Rettungseinsätzen — oft vergeblich. Mehrere Menschen sind in NRW zu Tode gekommen. Als erstes reagierte die Landeshauptstadt. In Düsseldorf ist das Schwimmen im Rhein seit dem 13. August verboten — der Tag, an dem im Rhein bei Voerde die Leiche eines Mannes geborgen wurde. Er war in Rodenkirchen ins Wasser gestiegen.
Während man sich in Köln zunächst ratlos und abwartend zeigte, hatten andere Kommunen schon Badeverbote verhängt. Aus der Kölner Stadtverwaltung aber war zu hören, ein Badeverbot — im gesamten Rhein, nicht nur wie bislang zwischen Altstadt und Niehl — vermittele »eine falsche Sicherheit, dass die Stadt mit Kontrollen und Bußgeldern ein Werkzeug hat, Menschen wirksam vom Baden im Rhein abzuhalten«. Das ist hanebüchen argumentiert. Gemäß dieser Logik könnte man auch Verkehrsschilder abbauen. Doch es ging noch weiter: Die Kontrollen erhöhten womöglich noch die Gefahr. — Wie bitte? Ja, weil dann die im Rhein Schwimmenden in Erwartung eines Bußgeldes womöglich »zögern, an Land zu kommen und die Lebensgefahr dadurch noch erhöht wird«. Es folgten noch die wohlfeilen Appelle an die »Eigenverantwortung« — aber die haben schon während der Corona-Pandemie nicht gefruchtet.
Es war die SPD, die im Hauptausschuss des Rates die Badeunfälle in die politische Debatte eingebracht hatte. Nun widmet sich in der letzten Sitzung vor der Kommunalwahl der Stadtrat dem Problem. Ein Badeverbot samt flankierender Maßnahmen erscheint plötzlich doch möglich. Alles andere als dies zu beschließen, wäre fahrlässig. Dass Menschen im Klimawandel ins Wasser möchten, am liebsten kostenlos, ist nachvollziehbar. Angesichts zu weniger Schwimmbäder und bloß dreier Badessen im Stadtgebiet braucht es daher neue Angebote. Vor Jahren gab es Überlegungen zu Rheinbädern am Ufer — das Thema gehört wieder diskutiert.