»Wir wollen alle dazu einladen, die Ideen kennenzulernen«: Iris Pinkepank vom Stadtgarten e.V.

Wie Veedel super werden

Rund um den Stadtgarten soll ein Vorbild für künftige ­städtische Quartiere entstehen

»Superblocks« — diese Idee taucht häufiger in Diskussionen um die Zukunft der Städte auf: Wohnquartiere sollen vom Autoverkehr befreit und begrünt werden, sodass ­die Lebensqualität für die ­Bewohnerinnen und Bewohner steigt, auch ohne Auto vor der Tür.

Das ist zumindest die Auffassung der Befürworter, und diese gab es auch mehrheitlich in der Bezirksvertretung Innenstadt. Dort haben Grüne, Linke, Klimafreunde und Die Partei beschlossen, dass es rund um die Christuskirche am Stadtgarten einen ­»Veedelsblock« geben soll. Der ­Autoverkehr führte nicht mehr durch das Veedel und ein »autofreier Stadtplatz« entstünde. Parkplätze sollen entsiegelt und Hochbeete, Sitzmöbel und Stellplätze für Fahrräder geschaffen werden; im Juni dieses Jahres wurden mit gleicher Mehrheit sowie den Stimmen der SPD noch weitere entsprechende Maßnahmen beschlossen. Nun zeigt der Stadtgarten e.V., eine Initiative im Viertel, wie das aussehen kann. Im September gibt es mehrere Veranstaltungen zum Thema. 

Iris Pinkepank vom Vorstand des Vereins steht auf der Treppe an der Rückseite der Christuskirche, vor ihr der Parkplatz an der Spichernstraße, der voller Autos steht und nach rein praktischen Gesichtspunkten gestaltet ist. ­Dieser Parkplatz, erzählt Pinkepank, soll entsiegelt und begrünt werden, zudem soll auf der anderen Seite der Kirche die verwahrloste Grünfläche am Dorothee-Sölle-Platz aufgewertet werden, etwa mit Urban Gardening. 

Der Stadtgarten e.V. ist Teil der Superblock-Bewegung, die sich auch in Köln und NRW vernetzt hat. Gleichzeitig weiß Pinkepank, dass es Menschen im Veedel gibt, die sich sorgen, dass ihr Leben mit weniger Parkplätzen vor allem ­unbequemer werde. »Wir wollen alle dazu einladen, die Ideen kennenzulernen und gemeinsam zu diskutieren«, sagt Pinkepank.

Gelegenheit dazu gibt es etwa am 21. September, wenn ab Mittag im Rahmen der »Internationalen Mobilitätswoche« der »Park-Platz-Tag« stattfindet, unter anderem mit einer Diskussion zum Thema »Oma- und enkeltaugliches Veedel« sowie der Präsentation von Studentinnen und Studenten der TH Köln zu ihren Vorstellungen vom »Superveedel Stadtgarten« . Zudem wird an diesem Tag in ­Kooperation mit dem Haus der ­Architektur Köln (hdak) der Parkplatz an der Spichernstraße mit Bäumen statt mit Autos vollgestellt sein. Das hdak, das schon mit der Aktion »1000 Stühle 1000 Bäume« in Erscheinung trat, die der Kommunikation und der ­Verbesserung des Stadtklimas ­dienen soll, möchte den Platz ­umgestalten. Das Grünflächen­amt habe ­bereits zugestimmt, so Pinkepank. 

Auch die evangelische Christus­kirche unterstützt die Superveedel-Pläne. Dort heißt es, man wolle ­»unter Bewahrung der Schöpfung einen demokratisch geprägten und politisch aktiven Anlaufpunkt und Ruhepol« bieten. Dazu zähle neben Begrünung auch die Vernetzung der Menschen.

Auch der Stadtgarten-Park selbst ist Thema diesen Monat. Eine Woche vor dem »Park-Platz-Tag« gibt es am 14. September anlässlich des Tags des offenen Denkmals ein Symposion: Fachleute diskutieren, wie der Stadtgarten angesichts des Klimawandels als historischer Park erhalten werden kann. 

Es kommt einiges in Bewegung — aber warum in einem Quartier, in dem sich zwar typische städtische Probleme zeigen — Verkehr, Hitzeinseln, Müll und Lärm —, in dem aber überwiegend gut betuchte Menschen leben, zumal in der Nähe eines schönen Parks? »Ich würde mir wünschen, dass das, was hier geschieht zum Modell für viele Viertel wird«, sagt Iris Pinkepank. Man wolle zeigen, wie sich die Lebensqualität in der gesamten Stadt verbessern lasse. Zunächst aber gehe es darum, die Ideen anschaulich zu machen. »Wir stehen ja am Anfang, zunächst geht es vor allem um Kommunikation, um die Menschen von diesen Ideen zu überzeugen.«

Mehr Infos zu den Veranstaltungen auf stadtgarten-verein.koeln