Einladung zum Dialog: Sufi Dub Brothers

Global Echoes

Die Sufi Dub Brothers machen unmögliche Musik möglich

Ihre klangliche Harmonie ist grandios — und sie steht im Kontrast zu unserer Erwartung, dass es doch zum Clash kommen müsste, da sich bei den Sufi Dub Brothers eigent­lich Unvereinbares auf dem begrenzten Raum eines vier­minü­­tigen Tracks zusammenraufen muss: Die Sitar, gespielt von Ashraf Sharif Khan, trifft auf Beats aus dem britisch-jamaikanischen Digital-Dub und Acid-­Gezwitscher, wie es für frühe Warp-Produktionen charakteristisch ist.

Was maximale Reibung erwar­ten lässt oder bloß halbdurchdachten Eklektizismus, ergibt in der Praxis schlüssige Tracks. Der zirpende, leichte, geradezu fragil klingende Sound der Sitar — die häufig erst dann wirklich gut klingt, wenn sie schnell gespielt wird (und master musican Ashraf Sharif Khan spielt verdammt schnell) — passt haargenau zu den schweren, tief-bassig angelegten Beats. Verantwortlich für diese ist der Hamburger Proudzent Viktor Marek, den man von seiner Zusammenarbeit mit Jacques Palminger kennt und der Mitbetreiber des Pudel Clubs ist. Der kennt sich also aus mit ­»Eklektizismus«, mit dieser spezifischen Hamburger Weltläufigkeit, in der eigenartige Niedlichkeit unvermittelt in surreale Härte kippt.

Marek lernte den 1969 im ­pakistanischen Lahore geborenen und seit dreißig ­Jahren in Deutsch­land lebenden Khan im Rahmen einer Theaterarbeit ­kennen, bei der mit geflüchteten Jugendlichen eine Bollywood-Show produziert wurde. Das war noch vor ­Corona — und leider veröffent­lichten sie ihr ­Debüt mitten in der Pandemie-Zeit, was dem fein austarierten Album doch einiges an ­Aufmerksamkeit kostete. Jetzt ­erscheint — augen­zwinkernd als Comeback angekündigt — ihr zweites Album »The Return of The Sufi Dub Brothers«, das den globalen Bogen noch weiter spannt. Das Album wird eine Hommage an den jamaikanischen Überproduzenten Lee »Scratch« Perry, der in den 1970ern den Dub … naja, nicht unbedingt erfunden, aber ihn als globale, vielmehr: kosmisch entrückte musikalische Denkform und Lebensweisheit definiert hat. Das passt schon mal hervorragend zu den Sufi Dub Brothers.

Marek wie Kahn ist es wichtig, keine Fusion zu spielen, sich nicht gegenseitig anzupassen, was ja immer den Eigensinn der Musik abschleift. Es geht ihnen um eine Begegnung auf Augenhöhe. Beide machen musikalisch das — und zwar ­kompromisslos —, was sie seit ­jeher gespielt haben. Diese Haltungen treffen aufeinander — und sie passen! Eine großartige Entdeckung.

Tonträger: »The Return of The Sufi Dub Brothers« erscheint am 5.9. auf Fun In The Church (H‘Art)