Naives Filmglück: »The Beach Girls and the Monsters«

Wunderbar vulgäre Strandvergnügen und Weltklassiker aus Afrika

Out of the Past

Ausgerechnet im Filmforum NRW, wahrlich nicht als Musentempel der siebten Kunst etabliert, findet diesen Monat einiges Erwähnenswertes statt. Es beginnt Ende August mit der »Sommerkinowoche«, die Perlen volkstümlicher Filmpoesie offeriert, etwa Alexandre Ajas »Piranha 3D« (2010) und Jon Halls »The Beach Girls and the Monster« (1965). Ersterer hat alles, was das Publikum von einem Strandfilm mit karnivoren Fischen erwartet: barocke Beletage und blutige Körperreste direkt vor der Nase. Aja verpasst dem Ganzen noch eine Meta-Plotschraube, indem er einen Pornodreh zum Teil der Geschichte macht — es geht also ums Kino an sich! »The Beach Girls and the Monster« ist nicht weniger als naives Filmglück in Reinkultur — nur wer ein altes Herz hat, gruselt sich nicht bei den sehr, sehr, SEHR gefährlichen Monstern (siehe Foto). Jon Hall: Kino-Gott!

Nach so viel Vergnügen kann man sich den ernsteren Dingen stellen, etwa den Klassikern, mit denen das Afrika Film Festival im Filmforum Entdeckungswillige be­lohnt. Neben »Samba Traoré« (1993) des viel zu jung verstorbenen Idrissa Ouédraogo und »Baara« (1978) des Anfang 2025 von der Presse weitestgehend unbetrauert von uns gegangenen Weltkino-­Genies Souleymane Cissé finden sich zwei rare Werke von Sarah Maldoror im Programm: »Aimé Césaire, Un homme une terre« (1976) ist eine formal ungewöhnliche Biografie des historisch bedeu­tendsten Schriftsteller Haitis, wäh­rend der Kurzessay »Et les chiens se taisaient« (1978) über Kolonialgeschichte und deren Erinnerungskultur nach einem Drama Césaires betitelt ist.

Von hier ist es nur ein intellek­tueller Katzensprung zum Kurzfilmprogramm »Globale Nachbarschaften«, in dem drei Perlen drei Situationen des Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen zeigen: Želimir Žilniks »Inventur — Metzstraße 11« (1975), Med Hondos »Mes voisins« (1971) sowie Cētnā Vōrās »Oyoyo» (1980). Nicht vergessen werden soll, dass die Sammlung Schönecker im Filmforum auf 16mm Andrzej Wajdas Meisterwerk »Mann aus Eisen« (1981) zeigt, sein Essay über Soli­darność als Konsequenz der Geschichte Volkspolens, als Endpunkt einer Folge von Aufständen. 

Erwähnt werden soll noch, dass das Japanische Kultur­institut in den nächsten zwei ­Monaten mit einer Shinji-­Sōmai-Retrospek­tive erfreut. Dazu mehr im Oktober.

Infos: filmforumnrw.de