Keine harmlose Anfrage
Schon oft hat die AfD Anfragen und Anträge zur Kulturpolitik gestellt — sowohl im Deutschen Bundestag als auch auf Landesebene. Jetzt betrifft es das Sommerblut Kulturfestival in Köln, das seit 2002, also seit fast 25 Jahren, mit einem inklusiven Programm die Stadt bespielt.
Wie hoch sei denn die Förderung der Landesregierung Nordrhein-Westfalen und in welcher Höhe würden andere Sponsor*innen, nach Kenntnis der Landesregierung, das Festival fördern? Das fragte im April 2025 der AfD-Abgeordnete Dr. Hartmut Beucker in einer Kleinen Anfrage. Darin griff er auch drei Veranstaltungen des Programmes heraus, nämlich »un_unterbrochen. Sprechen über rechte Gewalt«, »She doesn’t look her age« im Schwimmbad der Residenz am Dom und »The future is unwritten«, ein Stück, in dem Revolutionär*innen versuchen, Europa vor einer faschistischen Herrschaft zu retten.
Das Sommerblut Kulturfestival hat auf diese Kleine Anfrage mit einer Stellungnahme reagiert. Es sei nicht bloß eine harmlose Anfrage, die natürlichen allen Fraktionen im Landtag unbenommen sei, sondern habe eine gewisse Brisanz. So habe bereits die 2017 veröffentlichte Analyse der Heinrich-Böll-Stiftung darauf hingewiesen, dass die kulturpolitischen Absichten der AfD darauf abzielten, einer freien Kunst und Kultur keinen Raum zur Entfaltung zu lassen. Man bitte daher nachdrücklich darum, derartige Angriffe abzuwehren und in der Förderung der freien Kulturszene standhaft zu bleiben.
Im Gespräch mit der Stadtrevue bekräftigt Rolf Emmerich, Gründer und Festivalleiter von Sommerblut, diese Bitte: »Wehret den Anfängen! Wir kennen diese Anfragen der AfD-Fraktionen bereits, doch jetzt gehen sie auch in Nordrhein-Westfalen und in Köln los. Wir dürfen diesen kulturpolitischen Absichten nicht auf den Leim gehen.« Und weiter: »Das kann der Anfang eines Prozesses sein, in dessen Verlauf Förderungen komplett gestrichen werden, um die freie Kultur zu beschneiden — und das müssen wir mit allen in einer Demokratie zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern.«
Im kommenden Jahr feiert das Sommerblut Festival sein 25. Jubiläum, das Thema ist »Solidarität«. Diskreditieren lassen will man sich von solchen Anfragen der AfD-Fraktion nicht — sondern: weitermachen und zwar genauso divers, wie es dem Sommerblut Festival eigen ist.