Die politische Haltung muss stimmen
Mit der Gathering Gallery hat im Belgischen Viertel ein neuer Raum für zeitgenössische Kunst eröffnet. Er soll nicht nur Ausstellungsort sein, sondern möchte vielmehr eine Möglichkeit zur Begegnung schaffen. Der Name gibt bereits die Richtung vor, das englische Wort »Gathering» bedeutet Zusammenkunft — es geht also um Verbindungen: zwischen Menschen, Ideen und künstlerischen Positionen.
Gathering entstand während der Pandemie, als Isolation und Einsamkeit zur Norm wurden; heute versteht sich das Projekt, das nun neben London und Ibiza auch in Köln einen Standort gefunden hat, als Plattform für »radikale und mutige Stimmen unserer Gegenwart«. Seit April firmieren die lichtdurchfluteten Räumlichkeiten auf der Roonstraße, die vorher als Echo bekannt waren, unter dem neuen Namen. Zum Projekt gehören noch Räumlichkeiten neben und im nahen Café Central. Beide Orte wurden von Alex Flick, dessen Wurzeln im Rheinland liegen, neu ausgerichtet.
Alex Flick sieht die Stadt nicht als nostalgischen Kunststandort, für ihn ist sie »Ursprung und Zukunft« zugleich. Wo nach dem Zweiten Weltkrieg Künstler*innen aus In- und Ausland neue Maßstäbe gesetzt haben, lebt bis heute ein Publikum, das offen, sachkundig und diskursfreudig ist. Flick möchte mit Gathering an diesen Geist anknüpfen.
Dass Köln dabei nicht mehr das Zentrum der Kunstwelt ist, sieht Flick weniger als Mangel, sondern als Möglichkeit. Berlin möge zwar glänzen, doch Köln habe Substanz. Deswegen lege er weniger Wert auf Marktwert oder bestimmte Medien und Gattungen, sondern die politische Positionierung und gesellschaftliche Resonanz muss stimmen. Die vier Ausstellungen im Jahr bieten relevante und diverse Perspektiven; weiblich, queer oder nonbinär. Formal gebe es keine Grenzen, nur den Anspruch, dass die Werke etwas auslösen und herausfordern. Gathering will nicht laut auftreten, sondern langfristig wirken. Vertrauen wächst langsam, Sichtbarkeit entsteht durch Haltung.
Die größte Herausforderung besteht darin, gleichzeitig offen und ambitioniert zu bleiben. Denn Gathering soll mehr als nur ein Name sein, es ist eine Einstellung. Zusammenkommen, verbinden, sichtbar machen und neue Räume öffnen — für alle.
Gathering, Roonstraße 108
Eröffnung zur DC Open (5.9.; 18–21 Uhr): »Stefan Brüggemann«, bis 18.10.; Mi–Sa 12–18 Uhr