Die Leinwand als Spiegel

Das Junge Filmfestival Köln / Cinepänz legt einen Schwerpunkt auf das Thema Demokratie

Medien spiegeln die Gesellschaft und beeinflussen sie zugleich. Dies gilt nicht zuletzt für den ­Kinofilm, in dem wir fremde ­Kulturen, aber auch unsere eigene besser verstehen lernen. Das ­Junge Filmfestival Köln / Cinepänz ermöglicht auch in diesem Jahr vom 4. bis 9. Oktober Kindern und Jugendlichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesem Medium. Auf dem Programm ­stehen 42 Filme aus 12 Ländern für junge Filmfans.

Den Auftakt macht am 4. Oktober der Dokumentarfilm »Zirkuskind« (regulärer Bundesstart 16.10.) von Julia Lemke und Anna Koch. Über ein Jahr hinweg begleiteten die Filmemacherinnen den 11-jährigen Santino vom Zirkus Arena, der zwischen Schulwechsel und Schaustellerhandwerk noch nach seinem speziellen ­Talent sucht. Im Anschluss an die Vorstellung im Filmforum NRW gibt es ein Filmgespräch mit der Regisseurin Julia Lemke und im Foyer des Hauses eine Zirkusmitmachaktion. Robin Dölker, der in diesem Jahr zusammen mit Paul Reinholz die Leitung des Festivals übernommen hat, verspricht eine aufregende Festivaleröffnung. Der Film läuft im Wettbewerb Kids, in dem eine Jury aus 10- bis 13-jährigen einen Gewinner aus vier ­Filmen ermittelt. 

Die Jury des Wettbewerbs Teens aus 14- bis 16-jährigen ­Juror*innen wählt den Preisträger aus vier Filmen für Jugendliche. In dieser Kategorie läuft etwa »Ab morgen bin ich mutig« (regulärer Bundesstart: 23.10.) von Bernd Sahling. Der Film erzählt abseits von Klischees und Klamauk von einer Teenagerliebe. Kölner ­werden den Stadtteil ­Nippes als Handlungsort erkennen, und auch viele der Schauspieler*innen stammen von hier. Die Haupt­darstellerin Cheyenne Roth wird im Filmgespräch am Sonntag, 5.­ Oktober im Filmhaus Fragen ­beantworten.

Wie »Zirkuskind« ist auch »Mission Sternenhimmel« eine Köln-Premiere. Der Animationsfilm stammt von Eric San, auch bekannt als DJ und Turntablist Kid Koala (u.a. «Gorillaz«). In ­cleanem Look erzählt der Film eine spannende und gefühlvolle Geschichte über den Umgang mit Angst und Verlust. In der Tradition des Festivalgewinners des vorletzten Jahres, »Robot Dreams« von Pablo Berger, kommt »Mission Sternenhimmel« ohne gesprochene Dialoge aus. Ein Merkmal, das für das Bestreben der Festivalgestaltung nach verstärkter Barrierefreiheit spricht. »Wir freuen uns, dass wir unser Angebot in diesem Bereich noch einmal erweitern konnten«, betont Robin Dölker, »und diese Möglichkeiten auch verstärkt nachgefragt werden.« Daher bietet das Festival auch mehrere Vorführungen mit Gebärdendolmetschern und mit Audiodeskription an. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf der Bedeutung des demokratischen Zusammenlebens.

Kinder- und Jugendfilme abseits von ­Klischee und Klamauk

»Gesellschaftliche Themen hatten immer einen Platz im Festival«, so Dölker, »doch angesichts der aktuellen Verschiebungen haben wir in diesem Jahr durchaus einen politischen Schwerpunkt auf das Thema Demokratie gesetzt.« Dazu gehört »Mit der Faust in die Welt schlagen« von Constanze Klaue, der ­einen nüchternen Blick zwanzig Jahre zurück wirft: Die Wieder­vereinigung ist 2006 schon 15 ­Jahre alt, der Traum von »blühenden Landschaften« der Realität von Arbeitsverlust und Strukturschwäche gewichen. Die Brüder Philipp und Tobi stehen beide am Anfang dessen, was eine Neonazi-Laufbahn werden könnte. Klaue, Absolventin der Kunsthochschule für Medien Köln, wird zum Filmgespräch am Montag, 6. Oktober, im Odeon anwesend sein.

Ein ­anderer Beitrag hierzu mit besonderem Köln-Bezug ist »Die Möllner Briefe« von Martina Priessner. Die Dokumentation über den ­Umgang mit den Opfern der Brandanschläge 1992 in Mölln, ­denen Solidaritätsbekundungen aus dem ­gesamten Bundesgebiet bis 2015 vorenthalten wurden, löst Kopfschütteln aus. Heute ­liegen die Möllner ­Briefe zusammen mit ­Erinnerungen der Familie an die Opfer im Kölner DOMiD, dem ­Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland. 

Auch ein Blick ins weitere ­Programm lohnt. Neben Kino­filmen locken wie immer ein ­unterhaltsames und lehrreiches Rahmenprogramm mit Workshops und Blick hinter die Kulissen, zum Beispiel ein Besuch im TrickStudio Lutterbeck oder ein Stunt-Workshop. Und vielleicht finden sich im diesjährigen Publikum die Juror*innen für 2026?

Sa 4.10.–Do 9.10., div. Orte
Infos: cinepaenz.de