Kölner Modell

Ein neues Konzept für die Suchthilfe ist da. Jetzt muss nur noch der Polizeipräsident mitspielen

In der letzten Ratssitzung vor der Kommunalwahl ist etwas Bemerkenswertes passiert. Die Politiker von CDU und Grünen, FDP und SPD haben einen gemeinsamen Antrag zur Suchthilfe beschlossen, obwohl sie in der Sache teils völlig unterschiedliche Positionen vertreten. Die CDU will den ­Drogenkonsumraum am Neumarkt schließen, weil er eine Sogwirkung entfaltet habe, und ein neues Suchthilfezentrum an anderer Stelle in der Stadt eröffnen — weit weg vom Neumarkt, die FDP ebenfalls. Das werde nicht funktionieren, sind die Grünen überzeugt. Sie wollen ein neues, großes Sucht­hilfezentrum, »szenenah« in der Nähe des Neumarkts, am ­besten in der ehemaligen Kaufhof-Zentrale an der Leonard-Tietz-Straße. Auch die SPD ist dafür. 

Einig sind sich die Fraktionen aber darin, dass es mehr ­Hilfe braucht, um der zunehmenden Verelendung der Drogenszene durch Crack zu begegnen: Nämlich Zentren nicht nur für den Konsum, sondern auch für den Aufenthalt und mit weiteren Hilfsangeboten, wo bestenfalls auch der Klein­handel toleriert wird, damit all dies nicht mehr im öffentlichen Raum geschieht. Vorbild ist das Zürcher Modell, auf das sich alle Fraktionen berufen. Gesundheitsde­zernent Harald Rau hat bereits ­skizziert, wie das Kölner Suchthilfekonzept weiterentwickelt werden ­müsste: Drei Suchthilfezentren, davon je eines am ­Neumarkt, Hauptbahnhof und im Rechtsrheinischen, mit ­geschätzten Betriebskosten von etwa 14 Mio. Euro im Jahr. 

Der Polizeipräsident will partout keine Suchthilfe am Neumarkt mehr haben

Nun lässt die Politik Standorte prüfen, darunter auch einen Parkplatz gegenüber dem Polizeipräsidium in Kalk, den die ­Polizei ins Spiel gebracht hat. Auch wenn vieles dagegen spricht — unter anderem wird noch in diesem Winter ein szenenaher Konsumraum in Kalk eröffnen, den man zu einem Suchthilfezentrum ausbauen könnte — ist es gut, dass alle sich auf diesen Kompromiss eingelassen haben, ­damit endlich ­etwas vorangeht. Nun muss nur noch der ­Polizeipräsident ­mitziehen, der partout keine Suchthilfe am Neumarkt mehr haben will. Ohne sein Zutun aber gibt es für die Hilfezentren keine Betriebserlaubnis — und es wäre auch undenkbar, dass dort wie in Zürich Kleinhandel ermöglicht würde. Bisher ist auch noch unklar, woher das Geld kommen soll. Solange nicht alle Akteure an einem Strang ziehen, wird die Kämmerin es in der derzeitigen Haushaltslage kaum freigeben.