Eröffnungsfilm »Jenseits der Stille« von Caroline Link, editiert von Patricia Rommel © Croco-Filmverleih

»Der Filmschnitt ist das Herz des Films«

Kyra Scheurer von Edimotion, dem Kölner Festival für Filmschnitt und Montagekunst, zum 25-jährigen Jubiläum

Warum ein ganzes Festival nur zum Thema Filmschnitt und ­Montage?

Die Montage und die Editor*innen finden bei anderen Festivals viel zu wenig Beachtung, dabei ist der Schnitt ja das originärste Element der Filmkunst. Ihn gibt es weder in der Literatur, noch in der Fotografie oder auf der Bühne. Wir wollen die Arbeit und die Menschen dahinter sichtbarer machen. Preise für Filmschnitt gibt es zwar auch anderswo, aber der Diskurs über die Montage findet bei uns statt. Bei uns sprechen die Editor*innen über ihre Arbeit und können den Prozess der getroffenen Entscheidungen transparenter machen. Auf der Leinwand sieht man nur die getroffenen Entscheidungen, nicht aber die Varianten, die es auch hätte geben können. Da kann man über Genre, Drama­turgie oder die künstlerische Gesamtvision sprechen, über ­Herausforderungen in der ­Figurenführung, über alternative Fassungen oder Änderungen bei Filmanfang und -ende. Auf den Panels zeigen und diskutieren wir konkrete Fallbeispiele.

Dem Festival geht es um die Stärkung der Filmeditor*innen und ihres Netzwerks in der Branche. Wie gut gelingt das?

Für die Menschen aus dem Bereich der Postproduktion, insbesondere der Montage, sind wir inzwischen wie ein jährliches Familientreffen, zunehmend auch für die internationale Szene. Diese persönliche Note merkt man dem Festival an. Es ist uns in den letzten Jahren auch gelungen, das Publikum deutlich zu verjüngen. Wir arbeiten intensiv mit deutschen Filmhochschulen und -akademien in Österreich, der Schweiz oder ­Belgien zusammen. Seit einigen Jahren machen viele Filmstudierende Exkursionen zum Festival. In NRW besuchen uns zudem viele Menschen aus dem Bereich Produktion, Redaktion oder Regie, um sich zu vernetzen. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir weltweit das erste Festival waren, das mehrere Tage lang ausschließlich die Montage und die Editor*innen in den Fokus rückt.

Die Montage ist das ­originärste Element der Filmkunst

Ein weiteres Ziel ist es, die Wahrnehmung der Montage beim Publikum zu schärfen sowie die Menschen hinter der Montage ins Rampenlicht zu stellen.

Wir sind kein Publikumsfestival wie die Berlinale und haben vor allem Fachbesucher*innen. Wir erreichen aber auch klassische Filmfans. Das hängt auch mit unseren über das Jahr verteilten Veranstaltungen zusammen, die wir etwa zusammen mit der ifs im Film­forum NRW oder im Rahmen der Kölner Kino Nächte veranstalten. 

Kann man im Rückblich auf die letzten 25 Jahre des Festivals Moden in der Montage ausmachen?

Es gibt verschiedene Stile, aber von Moden würde ich nicht sprechen. Das gesamte Medium Film entwickelt sich ebenso wie die Montage weiter, aber der Langfilm im Kino ist weniger Trends unterworfen als Fernsehen oder Streaming. Allerdings hat sich die Technik von analog zu digital und jetzt zu KI in den letzten Jahren so stark verändert, dass es in den Gesprächen zwischen den Generationen immer wieder Aha-Momente gibt. In Bezug auf die Generationen finde ich auch toll, dass sich bei uns Kreise schließen: Bei der Eröffnung erhält die international renommierte Editorin Patricia Rommel, die zwei oscarprämierte Filme sowie die Regiearbeiten von Angelina Jolie montiert hat, den Ehrenpreis — eine Rückkehr zum Festival, denn schon vor 20 Jahren hat sie bei uns den Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm erhalten. Caroline Link, für die Rommel die meisten Filme geschnitten hat, wird die Laudatio halten, gezeigt wird zur Festivaleröffnung Links Kino­debüt »Jenseits der Stille«.

Worauf freut Ihr Euch besonders im Jubeljahr?

Neben der Ehrenpreisträgerin und dem immer stimmungsvollen Gastlandabend sind das vor allem unsere Jubi­läumsaktivitäten wie ein KI-Hackathon im Rahmen unserer Edimotion Akademie, wo Editor*innen spielerisch den Umgang mit KI-Tools erproben können. Nicht zuletzt freuen wir uns natürlich auf die Screenings der nominierten Filme für die Schnitt-Preise in den Bereichen Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilm — und auf die anschließenden Gespräche und Diskussionen über die Arbeit am Schnitt.