Ist es 1627 oder 2025?
Das wohl bekannteste Opfer der Kölner Hexenverfolgung wurde 1627 für schuldig befunden und hingerichtet: die Kölner Postmeisterin Katharina Henot. Fast vierhundert Jahre später sollte sich etwas geändert haben am gesellschaftlichen Frauenbild, oder etwa nicht? Das fragt sich Nicola Schubert in ihrer Audiowalk-Performance »to #allmen«.
Als im Jahr 2025 widergeborene Katharina muss sie miterleben, wie ihre einst harmonische Partnerschaft immer mehr ins toxische abdriftet und schließlich in häuslicher Gewalt endet. Verzweifelt versucht Katharina ihre Beziehung zu retten und das gemeinsame Kind zu schützen, bis ihr nichts anderes übrig bleibt, als vor ihrem Partner zu fliehen.
Eine imposante Kulisse hat Schauspielerin und Regisseurin Nicola Schubert für ihre knapp einstündige Performance ge-wählt — auf einer Grünfläche hinter Sankt Gereon räkelt sie sich im Bett, sammelt sie rote Rosen von der Erde auf, versucht sie mit Kreidezeichnungen zu verdeutlichen, wie viele Frauen in den letzten Jahren Opfer häuslicher Gewalt wurden. Das Publikum folgt ihr mit Kopfhörern auf den Ohren, wird von einem vorproduzierten Hörspiel hineingezogen in die Welt der beiden Katharinas. Die Geschichten von 1627 und 2025 sind gekonnt miteinander verwoben und demonstrieren erschreckende Parallelen. Nicola Schubert begleitet das Gehörte mit Mimik und Gestik, bewegt nur hin und wieder ihre Lippen und spricht einzelne Textpassagen mit.
Das Zusammenspiel zwischen Performance und Audio funktioniert perfekt. Die Zuschauenden können sich frei auf der Wiese umherbewegen, Katharinas innere und äußere Kämpfe aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, selbst entscheiden, ob sie ihr nahekommen möchten, oder lieber nicht. Zum Schluss richtet sich Katharina mit einer Bitte an ihr Publikum: »Lasst uns ins Gespräch kommen.« Wer mutig genug ist, tritt nach vorne ans Mikrofon, erzählt von eigenen Erfahrungen, spricht Wünsche aus, inspiriert von Fragen, die auf Zetteln herumgegeben werden. »Wie könnte ein Ende der Gewalt aussehen? Welches Männlichkeitsbild brauchen wir dafür?«
Trotz der Intimität des Themas ergibt sich ein Austausch und am Ende ist klar: Nur gemeinsam können wir an einem neuen Männlichkeitsbild arbeiten.