Es bröckelt
Mitten in der Innenstadt, nur wenige Hundert Meter vom Dom entfernt gelegen, bröckelt das spätmittelalterliche Zeughaus langsam, aber sicher vor sich hin. Seit einem Wasserschaden im Jahr 2017 kann das Kölnische Stadtmuseum dort nicht mehr ausstellen. Man beschloss, das Haus sich selbst überlassen. Dieses Jahr im Sommer musste man die rot-weißen Fensterläden abmontieren, »aus sicherheitstechnischen Gründen« — doch drohten dabei Teile der Fassade herauszubrechen, so dass man den Gehweg absperren musste.
Nun noch das: Weil der Treppenturm einsturzgefährdet ist, muss das seit mehr als dreißig Jahren darauf thronende »Flügelauto« des Künstlers HA Schult herunter, eine Nachricht, mit der es das Zeughaus sogar zu RTL schaffte. Rund um das Zeughaus wurden weitere Bereiche abgesperrt.
Bekanntlich sind baufällige Kulturbauten in Köln keine Besonderheit; eher muss, wer einen Besuch in Erwägung zieht, sich erst einmal vergewissern, an welchem Ausweichstandort sich das Museum oder die Bühne wegen Sanierung gerade befindet. Aber da auch das Herrichten von Interims ganz schön lang dauern und teuer werden kann, macht das Wallraf-Richartz-Museum während der anstehenden Sanierung lieber komplett dicht, und so wird es wohl auch beim Museum für Angewandte Kunst der Fall sein.
Aber immerhin: Diese Häuser sollen ja saniert werden, es gibt dafür Pläne und auch Geld. Das kann das Zeughaus nicht von sich behaupten. Schon seit das Kölnische Stadtmuseum ausziehen musste, erklangen Rufe nach Zwischennutzungen: Noch-Innenstadtbürgermeister Andreas Hupke (Grüne) wollte darin Obdachlose unterbringen, andere die »Freie Szene«, und vor drei Jahren beschloss der Kulturausschuss dann auch, dass die Stadt prüfen soll, wie das möglich wäre. Ein Architekturbüro legte eine »Nutzungsmatrix« an für Künstlerateliers, Brauchtumsveranstaltungen oder Lesungen, doch für all das brauche es »umfangreiche bauliche Maßnahmen«, hieß es. Die Pläne verliefen im Sand.
Kehrt das Stadtmuseum ins Zeughaus zurück? Bei dieser Frage hört man viel Herumgedruckse
Nun gibt es einen neuen Anlauf. Studierende der TH Köln sollen helfen und ihre Abschlussarbeiten darüber schreiben, wie das Kölnische Stadtmuseum das »Zeughausareal« künftig nutzen könnte. Anfang des nächsten Jahres wollen sie ihre Ergebnisse ausstellen. Auch beim Kölnischen Stadtmuseum selbst erarbeite man »verschiedene Nutzungsszenarien«, so eine Sprecherin. Heißt das etwa, das Stadtmuseum soll ins Zeughaus zurückkehren? Bei dieser Frage hört man bislang viel Herumgedruckse. »Es gibt keine bessere Adresse«, sagte zwar die scheidende OB Henriette Reker vergangenes Jahr, nachdem das Bauprojekt Historische Mitte geplatzt war, das einen Neubau für das Stadtmuseum am Roncalliplatz vorsah. Doch manche führende Ratspolitiker befanden, das Museum könne doch einfach in seinem Interim bleiben und dort zufrieden sein — auf wenigen Quadratmetern eines früheren Kaufhauses.
Niemand traut sich, die Sanierung des Zeughauses laut zu fordern, denn wer weiß schon, was das kosten wird? Von 91 Mio. Euro war einst die Rede — das war 2011 und damit baukostentechnisch in einer anderen Epoche. Die Stadt Köln erwartet in den nächsten Jahren ein Defizit in Milliardenhöhe. Das Zeughaus wird noch einige Jahre weiter bröckeln.