Quatsch: keine Opern
Kurz vor Ende ihrer Amtszeit hat OB Henriette Reker bekanntgegeben, die Oper werde nach rund 14 Jahren der Sanierung im September 2026 eröffnen. Zusammen mit Schauspiel, Kleinem Haus und Kinder-Oper soll es am Offenbachplatz dann »einen Ort für große Kunst, Emotionen und Weltoffenheit geben.« Das klingt nach ZDF-Weihnachtsgala, aber manchem ist das noch zu elitär. Der neue OB Torsten Burmester behauptete prompt, »die Oper« — was oder wen er damit auch genau gemeint haben mag — hätte »die verdammte Pflicht und Schuldigkeit«, alle einzubeziehen und bürgernah zu sein. Die Wortwahl ist beste sozialdemokratische Hemdsärmeligkeit. Der Gedanke dahinter hat aber weniger Wumms.
Denn wie soll die Oper das schaffen? Hat die SPD, die die Baustelle schon mit einem Moratorium stilllegen oder gar an einen Investor verkaufen wollte, dafür irgendeinen Plan? Kann es den überhaupt geben? Nein, denn nichts ist vorstellbar, was die enormen Kosten für diese Opernsanierung rechtfertigen würde — geschehe dort, was wolle. Und der neue OB muss jetzt tapfer sein: Diese Oper ist gar nicht für die Kölner saniert worden, sondern für solvente Städtereisende in ihren besten Jahren, die rund um den Opernbesuch gern auch noch ein paar Nächte in den Kölner Hotels Quartier beziehen sollen.
Die Zahl der Opernbesucher steigt sogar. Aber was wollen die in der Oper erleben?
Es spricht nichts gegen die ein oder andere schrille Inszenierung, um Zeitgeistigkeit und »Relevanz« zu beteuern. Doch wird man damit Menschen, die keine Opern mögen, nicht für Opern begeistern. Laut Deutschem Bühnenverein gibt es konstant rund 800 Operninszenierungen in Deutschland jährlich, und die Zahl der Besucher steigt sogar. Aber was wollen die in der Oper erleben? Zauberflöte, Don Giovanni, Freischütz. Wäre es angesichts dessen nicht schon genug Innovation und Bürgernähe in der Oper, wenn sich dort künftig in den Pausen Schlangen am Sektstand und vor den Klos vermeiden ließen?
Eine Oper für alle — diese Forderung ist zum einen naiv und unrealistisch und zum anderen auch sinnlos. Die ganze Konzeption dieses gewissermaßen historisch rekonstruierten Opernbaus ist auf die etablierte Form von Inszenierungen zugeschnitten. In diesem Umfeld nun irgendetwas Untypisches zu bieten, wird nicht mehr als Theaterdonner sein. Wer etwas anderes will, hätte dafür am Offenbach etwas anderes bauen müssen. Das wäre dann womöglich auch schneller gegangen und bedeutend billiger gewesen.