Science-Fiction-Sozialist: Dietmar Dath; © Jörg Steinmetz

Die Fan-Barometer

Dietmar Dath und Hendrik Otremba loten das kritische Potenzial schwärmerischen Schreibens aus

Dietmar Dath ist vieles: Vielschreiber, Kommunist, Rechthaber. Vor allem aber — und das dürfte nur schwer davon zu trennen sein — ist er Fan. Seine Texte sind immer dann besonders welthaltig, wenn sie nicht im Modus des distanziert Denkenden und Dünkelnden daherkommen, sondern im Modus der Schwärmerei. 

Diese Schwärmerei kennt nur wenige Grenzen, aber sie hat einige Vorlieben. Mathematik und Sozialismus sind zwei davon, aber auch Heavy Metal, Science Fiction und Fantasy-Literatur. »Sie ist wach« hieß eines seiner Bücher, in dem Dath auf 300 Seiten die Vorzüge der Serie »Buffy the Vampire Slayer« für ein besseres Leben preist. In seinem Roman »Dirac« werden das Aufwachsen in der Provinz, eine Vorliebe für Heavy Metal und die Theorien des Physikers Paul Dirac zu ­Wellen in einem Meer der Unerträglichkeit. Und überhaupt: ­pubertäre Leidenschaft ist einer der Lieblingsgegenstände des FAZ-Redakteurs Dath.

Kein Wunder also, dass er auch für Fan-Fiction zu begeistern ist, dem Genre, dessen Texte dem Original im besten Fall eine Vielzahl von Deutungsebenen hinzufügen. In der ersten Ausgabe des »Danke Magazins« hat sich Dath dafür die Figur von Ernst ­Ellert aus der SF-Reihe »Perry Rhodan« vorgenommen. Ellert kann nicht nur durch Raum und Zeit reisen, sondern auch in die Körper anderer Menschen schlüpfen. Er hat also ein Identitätsproblem — wie soll er sich definieren, wenn ihm ein stabiles Äußeres fehlt? Dath mach daraus einen ­typischen Dath-Text, der sein Ausgangsproblem mit Gastauftritten aus der Formalen Logik und dem Münchener Nachtleben ­weiterschreiben will.

Autor und Hardcore-Musiker Hendrik Otremba hat sich für ­seinen Beitrag dagegen einen ­kanonisierten Klassiker vorgenommen: »Die Verwandlung« von Franz Kafka. Sein K. findet sich ­jedoch beim Aufwachen in einen masturbierenden Akademiker verwandelt, der seine Zeit mit ­Käferbeobachtung im Terrarium verbringt. Ein Kommentar zur Kafka-Industrie oder zu seinen akademischen Lesarten? Auf ­jeden Fall ein guter Anlass, die Frage zu stellen, wieviel Kritik in diesem Genre stecken kann, was Dath und Otremba bei ihrem gemeinsamen Auftritt in der Reihe »Mind the Gaps« tun werden.

Di 21.11., King Georg, 20 Uhr
Danke Magazin, März Verlag, 25 Euro