Amelie von Wulffen, Installationsansicht Kölnischer Kunstverein © Mareike Tocha

Heidi Heida

Der Kölnische Kunstverein vermählt zwei scheinbar ­unvereinbare Positionen

In der Zeit abnehmenden Lichts schleicht sich ein Unbehagen ein. Die von Valérie Knoll kuratierte Doppel-Ausstellung mit Jonas Lipps, lässt Amelie von Wulffen anhand von Hasendraht und Bauschaum, Farbe und Leinwand ihre zunehmende Hinwendung zu einem Realismus formulieren, zum Faktischen, die der Ernst der Lage einforderte, wie die Künstlerin selbst feststellte.

In ihren Malereien, auf Leinwand oder Sperrholz, scheint sie bereit, alles hineinzulassen, wie um sich der Existenz der Dinge rückzuversichern, und agiert ohne Diskriminierung von motivischen Elementen (Holzvertäfelungen, Netflix, Rilke, Bunte Schnüre, Flutschfinger). Parallel zu den auf eine oftmals wuselige und vertrackte, gleichsam verkorkste und lebendige Realwelt verweisenden Bildern, zeigt sie neue figurative Pappmaché-Skulpturen, die von allzu viel ­roher Gegenwart in Bück- und Kriechhaltung gezwungen ­scheinen.

Der Raum wird von einem übergreifenden Gedanken zusammengehalten, den die bemalten, teils vernähten Stoffe vor den Großfenstern wie als Klammer einfassen. Die referierten historischen Zeichentrickfiguren (Heidi, Biene Maja et alii), manche werden sie noch als Teil der eigenen Vergangenheit ausmachen können, stammen von Künstlern, die der Ideologie Nazi-Deutschlands nahe standen, und weisen somit auf düster gebrochene Idylle hin, auf das von Amelie von Wulffen formulierte Unbehagen in der Zeit, das ihre neueren Arbeiten deutlicher als zuvor beeinflusst. 

Jonas Lipps meist zeichnerische Arbeiten hinterlassen, im direkten Kontext mit von Wulffen, eher formale und leichtere Effekte, die sich visuell gut in die dezent geschwungene Architektur des Hauses einfügen, ob zufällig oder nicht. Die Flachheit der matten ­Kaseinfarbe, der Einsatz von Linealen und die variierende Grobheit der bemalten Oberflächen betonen das grafische Anliegen und Materialspiel gegenüber der narrativen Ebene von Lipps Bildern, die hier fast alle ohne Rahmen präsentiert werden. Durch die präzisen, zugänglichen Zeichnungen der Lippschen Quadratur zieht sich motivisch eine sanfte, fast zärtliche Note von Heranwachsen, von Jugend und Schulzeit, Déjà-vus von Unschuld und Geheimnis, kleinen Gags unter Freunden, ein warmes Feuerchen.

Lipps Arbeiten bilden durch diese Zartheit das hellere Gegenstück zu von Wulffens eher dunkler, erdfarbener Palette und Disposition. Im Zusammenspiel beider Temperamente gelingt es der Ausstellung auf angenehme Weise ­anzudeuten, dass von Wulffen und Lipps Bilder zwei verschiedene Akkorde im selben Song sein könnten — about the world oh so  real.

Kölnischer Kunstverein, Hahnenstr. 6, bis 14.12.; Di–So 11–18 Uhr