Pharma-CEO oder Alien, das ist hier die Frage © Focus Features

Bugonia

Yorgos Lanthimos’ ironisch-elegischer Abgesang auf die Menschheit

Nach Ansicht vieler US-Amerikaner sind sie längst unter uns, die Fremden von anderen Planeten. Und leider ist das nicht immer harmlose Glaubenssache, sondern verknüpft mit rechten Verschwörungsnarrativen rund um Reptiloide, Deep State und Co. In »Bugonia« knüpft Regisseur Yorgos Lanthimos an diese Alien-­Invasion-Hysterie an und findet darin ein kongeniales Sujet, um davon zu erzählen, wie wir Menschen uns selbst die Hölle heiß machen. Dabei beginnt es zunächst mit Bienchen und Blümchen irgendwo in der US-Provinz, wo Imker Teddy (Jesse Plemons) sich um seine Bienenstöcke ­kümmert. Doch idyllisch ist hier nichts. Die ländliche Nachbarschaft ist im Niedergang begriffen, und Teddy wittert dahinter Ränke, wie er seinem simpel gestrickten Cousin Don (Aidan Delbis) erklärt. Die Schuldigen, die den sozialen und ökologischen Kollaps in die Wege leiten, hat er schon im Visier: Wesen wie Michelle Fuller (Emma Stone), CEO eines Chemie- und Pharmakonzerns, die aussehen wie Menschen, tatsächlich aber, da ist sich Teddy sicher, böswillige Aliens aus der Andromedagalaxis sind. Zusammen mit Don verschleppt er die knallharte Geschäftsfrau in den Keller seines Hauses. Dort setzt er ihr zu, um sich eine Audienz bei den andromedanischen Herrschern zu verschaffen, mit denen er über die Zukunft der Menschheit verhandeln will. Doch »Es« sträubt sich zu kooperieren. Und so beginnt ein erst nur mit Worten, bald aber auch mit­ ­rabiateren Mitteln ausgefochtener Psychokrieg.

Ähnlich wie schon in Lanthimos’ »Kinds of Kindness« weiß man oft nicht, ob man angesichts der ins Absurde getriebenen Schrecklichkeit lachen oder weinen soll. Das auf wenige Tage ­verdichtete Entführungsszenario entfaltet sich als tragikomische Groteske, deren Beginn noch slapstickhafte Züge hat, um dann immer drastischere Volten zu schlagen. Und obwohl der Stoff auf dem schon mehr als zwanzig Jahre alten südkoreanischen ­Original »Save the Green Planet!« beruht, hat die Neuinterpretation mit der Rückkopplung an die rechtspopulistischen Verschwörungstheorien, die in den USA den Aufstieg von Donald Trump befeuert haben, einen Dreh gefunden, der das Ganze schmerzhaft aktuell macht. Dass »Bugonia« schlussendlich wenig ­Hoffnung in die Fähigkeit der Menschen setzt, vernünftige Wege zu finden, miteinander und mit den Krisen unserer Zeit umzugehen, sondern in einen ­ironisch-elegischen Abgesang mündet, ist da nur konsequent.

USA, KOR, IRL, 2025, R: Yorgos ­Lanthimos, D: Emma Stone, Jesse ­Plemons, Aidan Delbis, 120 Min., Start: 30.10.