Dragutin Banic, Cinema, 2025 Foto: Jörn Vanselow © TRAFIK projekte 2025

There is a light that ­never goes out

Walter Dahns Geist lebt in einer Schau in Brühl neu auf

In Hommage an den vor einem Jahr verstorbenen Walter Dahn haben die Künstler*innen Andreas Gehlen und Evamaria Schaller jüngst zu einer großen Ausstellung nach Brühl-Vochem eingeladen. Die auf dem Gelände eines ehemaligen Reparaturbahnhofs angesiedelte Ateliergemeinschaft bietet seit diesem Jahr mit mehreren Ausstellungsräumen und ­einer bespielbaren Außenfläche Raum für den neu gegründeten »Verein für Kunst und künstlerische Forschung«: TRAFIK projekte. Die aktuelle Gruppenschau versammelt 60 ehemalige Studierende Dahns von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig zum gemeinsamen ­Dialog, in den sich der Kölner Künstler, mit ­ausgewählten Werken, selbst ­»einklinkt«.

»Klasse Walter Dahn 1995-2017« führt sowohl Arbeiten aus der Studienzeit (bei Dahn) als auch Aktuelles zusammen. Der Kollektivsingular im Titel deutet schon an, wie generationenübergreifend Dahns offener Kunst­begriff gewirkt hat und wirkt. In den ausgestellten Arbeiten — ­Collagen, Malereien, Siebdrucke, Radierungen, Videoarbeiten, Fotografien sowie Objekte und Skulpturen — wird sichtbar, wie sehr sein Umgang mit Materialien und das Spiel mit Referenzen in Generationen von Künstler*innen nachhallt und zu eigenständigen Positionen angeregt hat, deren Vielfalt die Schau umfassend ­präsentiert.

Wie vielstimmig Dahns Werk war, hat kürzlich die große Einzelschau »Have Love Will Travel« im Haus Mödrath in Kerpen gezeigt, die noch wenige Tage vor seinem Tod eröffnet wurde. Dahn, der von 1995 bis 2017 eine Professur für Malerei in Braunschweig innehatte, blieb selbst oft ein »Ungesehener«, wie es der Kunstkritiker Sebastian Strenger in seinem Nachruf formuliert. Gemessen am rauschhaften Auftakt Anfang der 1980er war es im Laufe seines Künstlerleben stiller um ihn geworden — dem einst gefeierten Jungen Wilden, Mitbegründer der Mülheimer Freiheit und Beuys-Schüler, der schon in frühen Jahren Kunstgeschichte schrieb. 

Wenngleich mit großer Geste hat er schon in den Anfangstagen das apodiktische Künstler-Ego zu demontieren versucht. Auch im ironischen Geiste Sigmar Polkes erwies er sich unverkennbar als Bricoleur — ein Bastler, der mit experimenteller Geste und musikalisch-performativem Einschlag die Grenzen von Malerei ausgelotet und Bildlichkeit medienübergreifend befragt hat. Diese popkulturell gesättigte Bildsprache, in der die Grenzen zwischen Kunst und Leben durchlässig werden, erkennt man auf die eine oder die andere Weise auch bei seinen Studierenden, die auffallend oft — wenngleich nicht immer — Anspielungen aus Musik, Literatur und Film Eingang finden lassen. So tritt er auch nach seinem Tod in der Ausstellung als Artist’s ­Artist, als Künster für Künstler*innen, auratisch in Erscheinung.

TRAFIK projekte, Römerstraße 490, 50321 Brühl, bis 16.11.; So 13-18 Uhr