Hoffnungsloses Rheinufer?
Mit einem stilisierten Baum ohne Äste versucht der Künstler HA Schult das Gefühl der Hoffnung sichtbar zu machen. In acht Meter Höhe erhebt sich diese Skulptur vor der Zentrale der SozialBank am Konrad-Adenauer-Ufer neben dem dahinfließenden Rhein. Das rostige Stahlrohr als Stamm trägt den 1,80 Meter langen Schriftzug »Hope« inmitten eines bunten Metallgeflechts als angedeutete Baumkrone.
Darunter sind drei farblich — rosa, magenta und grün — eingefasste Monitore angebracht. Zwei davon zeigen wechselnde Gesichter von Personen aus der Zeitgeschichte, neben privaten Menschen. Sie strahlen die titelgebende Hoffnung aus: Menschen, die einen optimistischen Blick auf die Welt visualisieren sollen. Der dritte Bildschirm zeigt hingegen einen Wassertropfen, in seiner ursprünglichsten Version, mikroskopisch vergrößert. Das Element des Wassers könnte als Lebenselixier von allem, also auch dem Menschen und seiner Hoffnung im Fluss der Zeit, interpretiert werden.
Das Kunstwerk wirkt wie ein urbanes Leuchtzeichen, ein in Metall umgewandelter Fingerzeig auf ein einziges Wort deutend, das uns plakativ mit der Botschaft konfrontiert. Der Inhalt der Monitore wirkt beiläufig, erst im zweiten und genaueren Blick einordbar. Die Realisation des Kunstwerks wurde 2017 gemeinsam zwischen Schult und dem Vorstand der Bank beschlossen. Es ist somit ein aktives und pragmatisches Zusammenspiel von Kunst und Institution im öffentlichen Raum.
HA Schult, 1939 geboren, ist mit Köln verbunden wie kaum ein anderer Künstler seiner Generation. Er hat die Stadt mit seinen Aktionen geprägt, den »Trash People«, mit seiner Weltkugel auf der Severinsbrücke, die schließlich auf die DEVK-Zentrale wanderte, mit dem Goldenen Flügelauto, dessen Zukunft auf dem Zeughaus ungewiss ist — mit allerhand Projekten, die Aufmerksamkeit erregten und sich meist zwischen Geste und Kitsch bewegen. »Hope« reiht sich ein in die Zahl der Kunstprojekte, die Schult für die Stadt schuf und mit denen er deutliche Akzente setzen wollte, ein mehr oder weniger sichtbares Zeichen für Köln neben dem Rhein.
In Zeiten, in denen Katastrophe auf Krieg in den Nachrichten folgt und in uns die Angst um die Zukunft aufkommt, ist die Hoffnung das Gefühl, das uns diese Zeiten überstehen lässt. Am Ende jedoch steht die Frage, ob die Idee der Skulptur, Hoffnung in uns zu manifestieren, überhaupt erreichbar ist?