Mäuse im Leuchtturm

Die Heliosschule ist als Vorzeigeprojekt ­gestartet. Doch die Stadt lässt sie im Stich

Was waren damals für große Erwartungen verknüpft mit der Gründung der Heliosschule: Köln bekommt mit der »Inklusiven Universitätsschule« ein bundesweites Leuchtturmprojekt, waren sich die Kooperationspartner von Stadt, Bezirks­regierung und Universität Köln einig. An der Heliosschule ­lernen Kinder von der ersten Klasse bis zum Abschluss gemeinsam, zugleich werden in Zusammenarbeit mit der Universität neue Lehr- und Lehrmethoden erforscht und in die Praxis umgesetzt. Gleichzeitig war die Heliosschule Ausdruck moderner Stadtentwicklung. Denn es waren engagierte Bürger und Initiativen vor Ort, die durchsetzten, dass eine Schule in Ehrenfeld gebaut werden soll — und nicht ein großes Shoppingcenter, wie zunächst geplant. Die Schule soll sich zum Quartier hin öffnen und umgekehrt, alle sollen voneinander lernen nach dem Motto: Bildungsraum als Lebensraum.

Doch zehn Jahre nach der Gründung der Schule und sechs Jahre nach dem Spatenstich in Ehrenfeld sieht der Lebensraum so aus: Die Schüler sind auf drei Interimsstandorte in Sülz, Vogelsang und Neuehrenfeld verteilt, in den Containern der Grundschule fällt regelmäßig die Heizung aus, es gibt eine Mäuseplage und am Standort in Vogelsang noch immer keine Mensa. Im Herbst dann erfuhren Schüler und Lehrer, dass sie auch im kommenden Schuljahr das Gebäude auf dem Heliosgelände noch nicht beziehen können. Wieder gibt es Verzögerungen, der Bau wird erst zum Schuljahr 2027/2028 fertig. Ein ganzer Jahrgang wird seinen Abschluss machen, ohne die ­eigentliche Schule je von innen gesehen zu haben. 

Nirgendwo klaffen Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander wie im Fall der Heliosschule

In vielen Kölner Schulen kennt man die Misere mit maroden Klassenzimmern und nicht enden wollenden Baustellen. Doch nirgendwo klaffen Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander wie im Fall der Heliosschule. Die Stadt wirbt mit ihr als Vorbildschule und lässt es gleichzeitig zu, dass die Schüler jedes Jahr in ein anderes Interim ziehen und nicht wissen, wohin es sie im nächsten Schuljahr verschlägt. Sie ­finden auch keinen Ansprechpartner bei der Stadt. 

Jahrgangsübergreifender Unterricht, wie im Konzept vorgesehen, wird dadurch ebenso schwer gemacht wie inklusives Lernen. Kinder mit Förderbedarf können sich nicht Jahr für Jahr an einen neuen Schulweg gewöhnen. Man kann es nur der besonderen Motivation von Lehrern, Schülern und ­Eltern zuschreiben, dass sie das Projekt Heliosschule noch nicht aufgegeben haben.