Ein Hauch von New York in Kalk? Am Bürgerpark soll bald ein Büroturm entstehen

Central Park in Kalk

Der Siegerentwurf für den Neubau hinter den ­Köln-Arcaden gefällt vor allem dem Investor

In Statistiken kommt Kalk nicht gut weg. Es gibt viel Autoverkehr, der Stadt­teil ist kölnweit am dichtesten bebaut und hat die wenigsten Grün­flächen. »Jede neue Bebauung ist da eine Belastung«, sagt Kalks Bezirks­bürger­meisterin Claudia Greven-Thürmer. Die »Parkpaletten von vorgestern« umzubauen, wie es hinter den Köln-Arcaden nun geplant ist, sei prinzipiell eine gute Idee, sagt die SPD-Politikerin. Wirklich glücklich aber ist sie mit dem Entwurf nicht.

Das Kölner Architekturbüro New plant hinter dem Shoppingcenter ein Büro­haus mit 15 und ein weiteres mit zehn Etagen, dazu Wohnungen, »Senioren­wohnen« und eine Kita. Das Parkhaus an der Barcelonaallee soll um zwei Etagen aufgestockt und das an der Vietorstraße abgerissen werden; dort entstehen die Wohnungen und die Kita. Gekürt wurde der Entwurf Ende Oktober nach einem Werkstattverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung, Bauherr ist Union Investment. 

»Mit dem Entwurf ist vor allem der Investor zufrieden, wir Bürger nicht«, sagt Thea Kuhs, die gegenüber den Parkhäusern wohnt. Man habe den Anwohnern gesagt, der Bürger­park werde durch den Büroturm aufgewertet — wie der Central Park durch die Hoch­häuser in New York. »Da kann man sich doch nur verschaukelt fühlen.« Unzufrieden ist Kuhs auch mit dem Verfahren: Nichts von den Anregungen der Anwohner, etwa öffentliche Flächen, klima­gerechtere Bau­weise, Verzicht auf ein Hoch­haus, weniger Park­plätze und Büro­flächen, findet sich im Ergebnis wieder. Dabei hatten die ersten Entwürfe aus dem Werk­statt­verfahren Anregungen berück­sichtigt: Drei von vier Teams verzichteten auf ein Hochhaus, ein anderes wollte die Park­häuser umnutzen und aufstocken, ein weiteres die Verbindung zum Bürger­park verbreitern. Nachdem sich die Jury nicht einigen konnte und die Teams ihre Pläne über­arbeiten sollten, geschah in einer Sitzung im September das, was der Bürger­verein Kalk »nach­träg­liche Verschiebung der Spiel­regeln« nennt — zugunsten des Investors.

Im Protokoll der Sitzung heißt es, »dass die Themen Realteilung und Zuordnung der Stell­plätze sowie die Qualität der Büro­nutzung von Beginn an Teil der Aufgaben­stellung waren, jedoch weder durch die Planungs­teams noch durch das Empfehlungs­gremium ausreichend gewürdigt wurden«. Bei der Realteilung geht es um die Teilung der Grund­stücke im Grundbuch. Der Investor will, dass die Grund­stücke klar geteilt und auch die Park­plätze von Shopping­center und Neubau von­einander getrennt sind. »Das erleichtert dem Investor einen Verkauf, ohne dass lästige Grund­buch­lasten wie Park­platz­rechte berück­sichtigt werden müssen«, sagt Boris Sieverts. Der Aktivist glaubt, der Investor habe kalte Füße bekommen angesichts der Ideen und der städte­baulichen Verbesserungen im Sinne der Anwohner, die sich in den Entwürfen ausdrückten. »Dann hat der Bauherr die Aufgaben­stellung so geändert, dass nur der von ihm favorisierte Entwurf übrig bleibt oder die anderen sich so verbiegen müssen, dass man sie nicht mehr wieder­erkennt.« Das am Ende sieg­reiche Büro New plante ursprünglich, die Park­häuser auf der einen Seite von Shopping­center und neuem Quartier gemeinsam zu nutzen, präsentierte dann aber einen neuen ­Entwurf mit wesent­lich höherer Bebauung, als es mit nur einem Park­haus nötig gewesen wäre.

»Es wurden im Laufe des Verfahrens bestimmte Vorgaben größer gemacht«, sagt Hans Schwanitz, der für die Grünen in der Jury saß. »Für Werkstatt­verfahren gibt es keine eng definierten Spiel­regeln. Wir bräuchten da mehr Verbind­lich­keit.« Bürger­meisterin Greven-Thürmer sagt, dem Investor seien Park­plätze und der ungestörte Ablauf in den Arcaden immer wichtig gewesen: »Die Fachjury hätte die Hinweise zu den nicht verhandel­baren Vorgaben deutlicher kommunizieren müssen.«