Indie-Ästhetik und Neo Jazz: Yuuf; Foto: Rakelle Maurici

Räume, die Vielfalt ­ermöglichen

Yuuf entwickeln ihre Musik im Kollektiv

Die Londoner Formation um ­Anthony Boatright (Bass), Hugo Cottu (Gitarre), Andrin Haag (Handpan & Perkussion) und ­Oliver Overgaard (Schlagzeug) stammt aus vier europäischen Ländern und trägt damit nicht nur biographisch, sondern auch klanglich eine Diversität in sich. 

Yuuh veröffentlichen erst seit anderthalb Jahren (aktueller Tonträger: »Mt.Sava«), aber schon jetzt lässt sich ihr Sound in jene Strömungen einordnen, die derzeit das Vokabular jenseits von Gesang und klassischem Songwriting neu definieren: Ambient-minimalistische Arrangements, perkussive Texturen, sanfte Psychedelic, Soul-Anklänge, Londoner Neo-Jazz. Musik wie diese verheißt in Zeiten von Übersättigung durch digitale Einzel-Tracks das Gesamtpaket — charakterisiert durch ­einen Sound, der sowohl als ­»Möbelstück« fungieren als auch durch seine zahlreichen Verweise und Zitate fordernd sein kann. Sub-Pop-Indie-Ästhetik und ­Weltmusik-Einflüsse sind keine Gegensätze mehr, sondern lassen sich produktiv verschränken.

In einer Zeit, in der Streaming-Logiken große Hooks und virale Effekte triggern, wirkt Yuuf als ein Projekt, das Konzentration, Gemeinschaft und Vielfalt der ­Stile und Musikkulturen betont. Die internationale Herkunft der Bandmitglieder, ihre gemeinsame Arbeit in London, das Instrumentale als Klangraum statt als ­Plattform für Textbotschaften — all das verweist auf eine Haltung, die das kollektive Musizieren in den Mittelpunkt stellt. Natürlich bleibt offen, wie stark solche Ansätze über die Nische hinaus Wirkung entfalten können, wenn es um Sichtbarkeit, Diversität und eghalitäre Teilhabe in der Musikwelt geht. Aber dass Yuuf Musik gemeinsam denken, das ist glasklar.

Gerade weil Yuuf stilistisch und ästhetisch so gut auf einer ­Linie wirken, besteht nun die ­Gefahr, dass ihr Ansatz im Konzertbetrieb zu einem Wohlfühl-Ambiente verflacht, das eher als Hintergrund dient denn als aktive Auseinandersetzung. Wer sich nicht darauf einlässt, dem bleibt womöglich nur ein angenehmes »Soundtracking« statt ein präzises Herausgefordertwerden. 

Trotzdem: Wer am 3. Dezember bei ihrem Kölner Konzert vorbeischaut, kriegt eine Band zu sehen, die mit ihrer Live-Energie ein Statement liefert — zur Reflexion anregend, aber auch zum Tanzen geeignet. In einer Stadt wie Köln, deren Szenen sich zwischen Club und Konzert bewegen, kann ein Auftritt von Yuuf zur kleinen, aber verdienstvollen Erinnerung daran werden, dass Musik mehr sein kann als Marke – eben Gemeinschaft, Klangräume, die mindestens musikalische Vielfalt ­ermöglichen.