Weihnachten von unten
Wer Weihnachten auf der großen Leinwand entgegensehnen will, bekommt im Filmclub 813 reichlich geboten. Natürlich ist das Kultwerk »Alle Jahre wieder« (1967) dabei, Ulrich Schamonis Satire über die Halbheiten der Wirtschaftswunderdeutschen, dessen Schlüssel die unerlöste Traurigkeit der Flakhelfergenerationsmänner ist.
Als Vorfilm dazu gibt’s Roland Klicks »Weihnacht« (1963) — die heilige Zeit mit den Augen eines kleinen Jungen gesehen. Ebenfalls aus einer Unterperspektive erzählt ist Klaus Wildenhahns Dokumentar-Klassiker »Heiligabend auf St. Pauli« (1968), in dem Matrosen, Nutten, Kleinkriminelle und andere Gestalten der Arbeiterklasse sich einen besinnlichen Abend in einer Kneipe machen — so wie die anständigen Leute, nur anders halt. Dieses Juwel proletarischen Schmelzes gibt’s im Doppelpack mit einem rarissimo: Bernd Eichingers HFF-Produktion »Weihnachtsmärchen« (1975). Aus lokaler Perspektive unverzichtbar ist natürlich das Böll’sche Fernsehspiel »Nicht nur zur Weihnachtszeit« (1970), Vojtěch Jasnýs erster Langfilm nach seiner Flucht aus der ČSSR. Damit’s nicht zu kölsch wird, läuft davor noch als eine Art Konterglühwein Robert Sigls »Der Weihnachtsbaum« (1983), in dem es aber letztlich um dasselbe geht, nämlich Weihnachten als RitualKern pervertierter Familien- und damit Gesellschaftsverhältnisse. Wer’s richtig speziell haben will, muss sich unbedingt Harald Reinls zwischen Expressionismus und Neorealismus oszillierendes Spielfilm-Debüt »Bergkristall« (1949) anschauen — die allererste Adalbert Stifter-Adaption.
Im Japanischen Kulturinstitut wird im Dezember der sehr spezifische Charme der zweitgrößten Stadt Japans untersucht: Ōsaka. Wer jemals dort war, wird das Laut-Rustikale der traditionellen Händlerstadt mit ihrer hemdsärmeligen Art, dem Willen zum Grellen und einem manchmal fast absurden Frohsinn nicht so schnell vergessen! Gosha Hideos brillante Chikamatsu-Adaption »Onna goroshi abura no jigoku« (1992) vertritt in der Auswahl die (Kultur-)Geschichte der Metropole. Izutsu Kazuyukis »Kishiwada shōnen gurentai« (1996) findet diese alten Werte etwas verdreht, aber noch gut erkennbar in den kleinstädtischen Fransen der Metropolregion. Und wer’s dann doch etwas filmisch gesitteter braucht, wird mit Ichikawa Juns in der manzai-Komödienwelt situierten »Ōsaka monogatari« (1999) bestens bedient.