© VG-Bild-Kunst, Bonn, 2025.

Mehr als ein Grüßaugust

Henry Moore, Draped Reclining Figure, Museum Ludwig

Ist sie nicht liebenswert, die weibliche Bronzegestalt, die da ein wenig verloren und dabei so freundlich zugewandt in der ­Eingangshalle des Museum ­Ludwig auf ihrem Podest ausgestreckt die Ankommenden will­kommen heißt? Sie guckt ein bisschen überrascht. Vielleicht verwundert sie das aufgeregte Treiben vor den Schließfächern gegenüber.

Die »Draped Reclining Figure« oder »Liegende Gewandfigur« (1952/1953) ist ein Werk von Henry Moore (1898–1986), der als einer der wichtigsten Bild­hauer der Nach­kriegs­zeit gilt. Ihren Ober­körper, mit dem zur Seite gedrehten abstrahierten kleinen Kopf, stützen die Unterarme ab, die Körper­mitte lagert auf dem Gesäß und die Beine stehen angewinkelt auf der bronzenen Basis.

Die tiefen Faltenschwünge und unregel­mäßigen, feinen Faltungen des Gewands, die den Körper von den Ober­schenkeln bis zur Schulter­partie gestalten, erinnern nicht von ungefähr an eine Berg­land­schaft. Bemüht um eine arche­typische Form, bezog der Künstler aus der Natur wesent­liche Anregungen.

Für die Körperhaltung der ­Figur war allerdings eine auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán entdeckte steinerne Opfer­statue aus der toltekischen Kultur, ein sogenannter Chac Mool (ca. 900–1000 n. Chr.) das Vorbild.

Die Natur war Moore nicht nur Inspiration, sondern auch der Ort, an dem er seine Werke am liebsten aufstellte. Auch die »Draped Reclining Figure« fand ihren ersten Platz im Grünen. Die Stadt hatte sie mit einer Reihe von Plastiken für das Wallraf-Richartz-­Museum angekauft, das, im Welt­krieg zerstört, 1957 in seinen Neu­bau einzog — das heutige MAKK. Doch zunächst schmückten die Kunstwerke die im selben Jahr im Deutzer Rhein­park statt­findende Bundes­garten­schau.

Im Kreise der anderen sah man sie danach in der 1960er Jahren im geklinkerten Innen­hof des Museums. Seit den 1970er Jahren widmet sie sich der schönen ­Auf­gabe einer Begrüßungs­figur, anfangs noch vor dem Eingangs­portal des Wallraf-Richartz-­Museums, dann nach der Ein­gliederung der modernen Kunst in die Bestände des Museum Ludwig vor dem Süd­eingang des neu­gebauten Gebäudes auf der Dom­platte und nun seit einigen Jahren an ihrem jetzigen Standort.