Verbindung schaffen
Tanz verbindet Menschen, funktioniert ohne Sprache, kann von allen miterlebt werden, kreiert ein Gefühl von Gemeinschaft. Leider gehört er auch immer wieder zu den prekärsten und bedrohtesten Disziplinen der Darstellenden Künste. Dabei bietet er sich, flexibel und zugänglich, für weltweiten Austausch geradezu an. In der Realität jedoch sind Proben- und Spielorte für Tanz zunehmend bedroht. Da ist es fast ein Wunder, dass das Festival »tanz.tausch« in Köln schon zum 13. Mal stattfindet und für bundesweiten Austausch und Anregung sorgt — und für internationales Flair.
Sieben Arbeiten sind eingeladen. VAYA Art of Human Movement kommen aus Freiburg und haben enge Verbindungen nach Südamerika. Die Choreografin Alexandra Waierstall lebt in Düsseldorf, wurde aber in England geboren und wuchs in Zypern auf. Die aus Israel stammende und in Köln lebende Reut Shemesh gibt dem Namen »tanz:tausch« mit einem neuen Format eine ganz neue Bedeutung: In »The Container« entwickelt sie mit dem Berliner Choreografen Johannes Wieland mit zehn Tänzer:innen aus fünf Bundesländern im Wechselspiel je eine Blitz-Choreografie. In dieser tauschen sie Darsteller:innen und führen sie schließlich zu einer zusammen: direkt, roh, ohne langes Abwägen. Die Kompanie INTER.ACTIONS aus Heidelberg zeigt in der Kölner Tanzfaktur ihr neues Stück »Flashback«: ein mitreißender Deep-Dive wird zur Party in Stil und Musik der 1990er-Jahre. Die Choreografin Lisa Kaschubat kommt aus Berlin und kreiert mit 3D-Techniken und digitalem Weltenbau spektakuläre Arbeiten. Spannend ist auch der zeitgenössisch-urbane Tänzer Jonas Frey aus Mannheim, der mit Breakdance und HipHop-Formen experimentiert. Sein neuestes Stück »Doisri« lotet tänzerisch die eigene Familiengeschichte aus.
Mindestens ebenso wichtig, wie den Tänzer:innen eine Plattform jenseits der etablierten Häuser zu geben, ist beim tanz.tausch-Festival das Gespräch: Kulturschaffende aus ganz Deutschland kommen in die Tanzfaktur und diskutieren über nachhaltige Netzwerkstrukturen. Wie kann Tanz sichtbarer werden? Wie können mehr Menschen ihn sehen, direkt teilnehmen, wie Tourneen etwa besser organisiert werden? Und nicht zuletzt: wie können weibliche Choreografinnen und Autorinnen – und FLINTA*-Personen — in ihrer Sichtbarkeit gestärkt werden? Die drei Tage werden auf jeden Fall intensiv.
tanz.tausch
14.– 17.1.
Tanzfaktur
tanztausch-festival.de